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Der Papst zelebrierte am Sonntag noch im Fußballstadion von Amman eine Messe vor 50.000 Gläubigen. In der Altstadt von Jerusalem  liefen die Vorbereitungen für den Besuch Benedikt XVI. währenddessen noch auf Hochtouren.

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Die Kirche im Heiligen Land könne einen wichtigen Beitrag leisten "zur Förderung einer Kultur wahrer Menschlichkeit und zum Aufbau einer Zivilisation der Liebe", sagte Benedikt in seiner Predigt.

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Der Papst in Amman.

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Das Klima zwischen Jerusalem und dem Vatikan ist zwar angespannt. Aber aus politischer Räson werben Israelis wie Palästinenser um die Gunst des Pontifex.

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Wie ein Superstar wird der Papst ab morgen fünf Tage lang in einer Region hofiert werden, in der er nur ganz wenige Fans hat. Die römischen Katholiken sind im Heiligen Land schließlich nur eine Minderheit unter den Christen, die eine Minderheit unter den großteils muslimischen Palästinensern sind, und die sind wiederum gegenüber den Juden in der Minderheit.

Aber Benedikt XVI., hinter dem weltweit mehr als eine Milliarde Gläubige steht und dessen Kirche traditionell in Jerusalem und in der Umgebung ein in die Politik hineinreichendes Mitspracherecht beansprucht, bringt in dem winzigen Landstrich gewaltige Energien und Geldmittel in Fluss. Seit Monaten werden Fahrtrouten ausgeklügelt, Fahnen ausgesteckt und Tribünen gezimmert - alles ist um einige Grade komplizierter und heikler als bei jedem anderen noch so prominenten Gast.

Für die "Operation Weiße Soutane" wirft die israelische Polizei nicht weniger als 80.000 Beamte in die Schlacht, und in Bethlehem, wo der Papst am Mittwoch vor der Geburtsbasilika eine Messe zelebrieren wird, wurden palästinensische Sicherheitskräfte einem Spezialdrill unterzogen.

Dabei geht es laut Antonio Franco, dem Apostolischen Nuntius in Israel, doch bloß um eine Pilgerreise und um einen "pastoralen Besuch" . "Der Papst kommt nicht, um über irgendwelche Sachfragen zu diskutieren oder um zu streiten" , lenkt Franco beschwichtigend von allen Konflikten ab, an denen es ja nicht mangelt.

So wirft der Vatikan den israelischen Behörden vor, eine Steuerbefreiung für kirchliche Einrichtungen seit Jahren zu verschleppen. Umgekehrt hat der Papst in den vergangenen Monaten in jüdischen Augen wegen der Williamson-Affäre und der Karfreitagsfürbitte für die Bekehrung der Juden nicht gut ausgesehen, und die Kontroverse um die Rolle Pius XII. flammte zeitweise so heftig auf, dass der Besuch überhaupt gefährdet schien (siehe unten). Allen fällt nun auf, dass der Papst heute zwar in der Gedenkhalle von Yad Vashem mit Holocaust-Überlebenden zusammentrifft, aber das angeschlossene Museum, wo ein wenig schmeichelhafter Text über das "Schweigen" Pius XII. hängt, nicht betreten wird. Doch Daniel Rossing, religiöser Israeli und Direktor des "Zentrums für jüdisch-christliche Beziehungen" , will hervorgehoben sehen, "dass in den letzten 50, 60 Jahren gewaltige Schritte im Verhältnis zwischen Juden und Katholiken gemacht wurden" .

Auch Benedikt XVI. selbst habe noch aus der Zeit, bevor er Papst war, eine "lange Geschichte der Beteiligung" am Dialog. Das offizielle Israel überschlägt sich jedenfalls in Respektsbezeugungen. Die Post hat Sonderbriefmarken gedruckt, und Benjamin Netanjahu bemüht sich für eine Unterredung eigens ins entlegene Nazareth.

Massive Proteste werden nicht erwartet, aber der frühere nationale Sicherheitsberater Giora Eiland wetterte gegen die "Selbsterniedrigung vor dem Papst" und zählte Joseph Ratzingers "Sünden", etwa seine Mitgliedschaft bei der Hitlerjugend, auf. Warum müsse Israel da "ihn nicht nur empfangen, sondern dazu noch alle seine religiösen Zeremonien finanzieren"?

Dass man sich aber mit dem Papst gut stellen und ihn nach Möglichkeit für die eigene Sache einnehmen muss, das wissen die Palästinenser genauso gut wie die Israelis. Den Groll, den seine Äußerungen über Mohammed ausgelöst haben, schiebt man beiseite, um den Papst im Flüchtlingslager Aida "Zeuge der fortdauernden Leiden der Palästinenser" werden zu lassen. Demonstrativ baute man die Bühne für den Papst-Empfang beim Lagereingang vor einer hohen Betonmauer samt Wachtturm, die zu Israels umstrittener "Sicherheitsbarriere" gehören. Zuletzt hieß es freilich, dass die Zeremonie doch in den Hof einer UN-Schule verlegt wurde. Im Vorfeld hatten Palästinenser gemeint, der Besuch käme zum falschen Zeitpunkt und würde so kurz nach dem Gazakrieg ein trügerisches Zeichen der Normalisierung setzen. "Ja, aber wenn der Heilige Vater erst auf Ruhe im Nahen Osten warten müsste, dann weiß ich nicht, ob meine Enkel ihn sehen würden", sagt Wadie Abunassar, der Sprecher des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem. (Ben Segenreich aus Jerusalem/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2009)