Rom/Riad - Im streng islamischen Königreich Saudi-Arabien finden derzeit "Miss-Wahlen" statt. Chancen auf einen Sieg können sich aber nur jene unter den etwa 200 Kandidatinnen erhoffen, die in Sittlichkeit, Gehorsam, Integrität und anderen ähnlichen Tugenden glänzen. Ihr Aussehen dagegen soll keine Rolle spielen. Der Wettbewerb startete am Samstag, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della sera" am gleichen Tag unter Berufung auf das saudi-arbische Blatt "Al-Safir".

Bereits vor einem Jahr hatten im wahhabitischen Königreich Miss-Wahlen stattgefunden. Deren Organisatorin Kedra Mubarak erklärte, bei dem Wettbewerb gehe es vor allem um die Einhaltung der islamischen Moralgebote. Siegerin werde jenes Mädchen sein, das ihren Eltern in überzeugender Weise den meisten Respekt zolle. Schönheit und Ausstrahlung dagegen, die "äußere Erscheinung", "interessiert uns nicht", so Mubarak. Die saudi-arabische Schönheitskönigin müsse nicht einmal schön sein.

Während anderswo in der Welt die Maße des weiblichen Körpers und das Aussehen zu den Hauptkriterien zählen, werden in dem zehn Wochen dauernden Wettbewerbsmarathon in Saudi-Arabien ganz andere Dinge geprüft. Die Kandidatinnen brauchen dazu auch gar nicht ihre Gesichts- und Körperschleier abnehmen oder über den Laufsteg stolzieren. Stattdessen müssen sie ihre "innere Kraft" unter Beweis stellen, die "Initiative ergreifen" und sich schließlich - im schwersten Teil der Prüfung - zusammen mit der Mutter im Haus einsperren lassen. Erst Ende Juli wird die strenge Jury ihre Entscheidung fällen. (APA)