Tel Aviv/Frankfurt - Die "Anti-Defamation-League" (ADL), die gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt, hat den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Israel am Montag ausdrücklich begrüßt. In einer ganzseitigen Anzeige in der auflagenstärksten israelischen Zeitung "Yedioth Ahronoth" unterstrich die 1913 gegründete jüdische US-Organisation, der deutsche Papst setze sich klar für eine Versöhnung mit Israel und den Juden ein. "Benedikt XVI. hat die eindeutige Position der katholischen Kirche gegen Antisemitismus und das Leugnen des Holocaust bekräftigt", hieß es in der Anzeige.

Wie sein 2005 verstorbener Vorgänger Johannes Paul II. fühle sich der Papst der Stärkung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel verpflichtet, wie der "wichtige Besuch" beweise, schrieb ADL. Er zeige Respekt für die jüdische Auslegung der Bibel und betone stets den Glauben, dass die Juden die geliebten Brüder und Schwestern der Christen seien. "Die Anti-Defamation-League schließt sich dem Ziel des Papstes an, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, für Menschen aller Religionen und Rassen", hieß es abschließend.

Der Direktor der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Avner Shalev, sagte in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" (Montag), es werde beim Besuch des Papstes "sehr auf jedes Wort ankommen". "Wir hoffen, seine Rede wird prinzipielle Angelegenheiten berühren. Ganz besonders eben wegen seiner persönlichen Geschichte, aber auch, weil es Missverständnisse gab seit Beginn seiner Amtszeit gab". Auch die Affäre um den als Holocaust-Verharmloser hervorgetretenen Traditionalisten-Bischof Richard Williamson schmerze noch. Dass der Papst den Museumsteil meiden wird, wo das Schweigen von Papst Pius XII. zum Holocaust kritisch beleuchtet wird, akzeptiert Shalev. "Es gibt einen Disput zwischen uns und dem Vatikan, wie die Rolle von Pius XII. zu bewerten ist. (...) Pius XII. blieb still, als alle menschlichen Werte kollabierten. Die Frage lautet, was erwartet man von einer Autorität mit einem solchen Einfluss in einer Krise. Yad Vashem verfolgt dabei keine politischen oder ideologischen Motive. Wir wollen nur herausfinden, was getan wurde, und was Pius XII. hätte tun können."

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat sich vor dem Israel-Besuch von Papst Benedikt XVI. zuversichtlich gezeigt. "Der Papst wird in Israel die richtigen Worte finden", sagte Zollitsch am Montag im Deutschlandfunk. Er verwies auf die besondere Solidarität der Deutschen mit den Juden. (APA/dpa/AFP)