"Zäh" verläuft derzeit noch die Vermarktung von mobilem Fernsehen. Die Reichweite von MobileTV über eine neutrale Institution (Teletest) auszuweisen, um den teilnehmenden Sendern eine bessere Vermarktung zu ermöglichen, ist deswegen eines der großen Ziele des Handyanbieters "3". Bis zum Winter oder Frühjahr 2010 sollte diese Ziel erreicht sein, sagte "3"-Chef Berthold Thoma am Montag bei einem Pressegespräch in Wien.

"3", die Tochter des chinesischen Mischkonzerns Hutchinson Whampoa, bietet in Österreich ihren Kunden 50 Fernsehkanäle an, davon 17 kostenlos. Die Verrechnung für die 33 Pay-TV-Kanäle wäre sehr einfach, so Thoma. Bis zum Winter plant der Handyanbieter zudem die Verknüpfung von linearem TV und On-Demand-Diensten, also dem zeitversetzten Abruf von zum Beispiel Fernsehsendungen. Bis zum Sommer sollen weitere Nischenkanäle ins Programm aufgenommen werden, darunter vor allem türkischsprachige Fernseh- und Radiosender. "Die Türken stellen neben den Deutschen die größte Gastarbeitergruppe dar", so Thoma.

Geänderte Spielregeln

Das Marketing im mobilen Telekommunikationsbereich wird sich generell ändern, glaubt Thoma. "Das Zusammenwachsen von Telekommunikation, Internet und Medien bedingt geänderte Spielregeln in der Wertschöpfung und somit eine Adapation der Geschäftsmodelle", so der Firmenchef. Schon jetzt sei es möglich, Werbeumsätze oder Werbefenster genau auf Personen, Geschlecht, Alter oder Ort abzustimmen. Daran wolle man weiter arbeiten. Für die Werbeindustrie entstehe daraus ein neues Werbemedium.

Ebenfalls ausbaufähig sieht Thoma die bisher nur "kleinen" Vermarktungskooperationen mit Werbeagenturen. Hier gelte es, noch einiges zu bewegen. Thoma glaubt, beim mobilen Marketing noch signifikante Steigerungen erreichen zu können. Alle Mobilfunkanbieter zusammen würden derzeit rund 3 Mrd. Euro Werbeumsätze machen und in Summe damit nur eine rote Null schreiben.

Weiter ausgebaut werden soll das österreichische mobile Breitbandnetz. Mit der Aufrüstung auf HSDPA+ (mit bis zu 28 Megabit pro Sekunde) ab dem zweiten Halbjahr werde man in Dimensionen vorstoßen, die bisher den Kabelnetzbetreibern vorbehalten waren. Beim mobilen Internet habe sich das Datenvolumen seit Jahresbeginn 2008 um das 4,5-Fache auf 450 Terabyte pro Monate erhöht. Das entspreche etwa 1,6 Gigabyte pro Kunde und Monat. Einen höheren Wert gebe es nur noch in Schweden.

Auch beim von "3" betriebenen mobilen Portal "Planet 3" sieht Thoma das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Über 30 Kampagnen hätten im Vorjahr rund 500.000 Euro Umsatz gebracht - zum Vergleich: In Summe belief sich der Österreich-Umsatz der Gruppe 2008 auf 190 Mio. Euro. Das mobile Portal zählte im März rund 240.000 Einzelkunden, 1,7 Mio. Besuche und 35 Mio. Seitenaufrufe. Die Webseite www.drei.at kam auf 355.000 Einzelkunden, 1,1 Mio. Besuche und 7,0 Mio. Seitenaufrufe (Stand Februar). (APA)