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Knapp hundert palästinensische Christen aus dem Gaza-Streifen erhielten die Erlaubnis, am Papst-Besuch in Israel teilzunehmen. Hier eine Gruppe auf dem Weg zum Grenzübergang Erez.

Foto: EPA/Saber

Mit seiner Grußansprache, in der er sowohl zu einer "gerechten Lösung" des israelisch-palästinensischen Konflikts aufrief als auch an die "sechs Millionen jüdischen Opfer der Schoah" erinnerte, gab Papst Benedikt XVI. am Montag gleich nach der Landung in Tel Aviv den Grundton für seinen fünftägigen Besuch in Israel und im Palästinensergebiet an. Israels Staatspräsident Shimon Peres empfing den Papst als Träger einer "wichtigen spirituellen Mission, einer Mission des Friedens" .

Obwohl er betonte, nur zu einer "Pilgerreise" gekommen zu sein, blieb es dem Papst nicht erspart, als Staatsoberhaupt eine militärische Ehrenkompanie abzuschreiten. Die übliche Marschmusik wurde aber durch das sanfte Lied "Goldenes Jerusalem" , eine Hymne auf die Heilige Stadt, ersetzt.

Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte es nicht durchgesetzt, auf dem Flugfeld ebenfalls das Wort ergreifen zu dürfen. Dafür klang es wie eine Spitze gegen den israelischen Premier, als der Papst von "einem eigenen Heimatland" für Israelis und Palästinenser sprach, "innerhalb sicherer und international anerkannter Grenzen" . Manche interpretierten das als Aufruf zu jener "Zwei-Staaten-Lösung" , die von der internationalen Gemeinschaft gefördert wird, die aber Netanyahu derzeit ablehnt.

Der Pontifex schien entschlossen, die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson entschärfen zu wollen. Er werde dafür beten, "dass die Welt nie wieder ein Verbrechen dieser Größenordnung sieht" , "traurigerweise erhebt der Antisemitismus noch immer in vielen Teilen der Welt sein hässliches Haupt."

Später, bei seinem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, verstärkte der Papst seine Mahnung gegen das Leugnen und Verharmlosen des Holocaust. Die Leiden der Opfer dürften "niemals geleugnet, verharmlost oder vergessen werden" , sagt Benedikt.

Er enttäuschte jedoch Hoffnungen vieler Juden, als er nicht auf die Rolle der Kirche während der Nazi-Zeit einging. Explizit stellte sich Benedikt nicht als deutscher Papst, sondern als Bischof von Rom und Nachfolger Petri dar. Und er mied einen Besuch des Museums von Yad Vashem, wo Papst Pius XII. als Oberhirte dargestellt wird, der "weder schriftlich noch mündlich" gegen die Vernichtung der Juden protestiert habe.

Während die Stationen des Papst-Besuches im TVlive übertragen werden, ging die Debatte darüber weiter, ob es richtig sei, für das katholische Oberhaupt einen derartigen Aufwand zu betreiben. Parlamentspräsident Reuven Rivlin geht sogar so weit, die Empfänge für den Papst zu boykottieren. "Wir haben zwar mit ihm und mit den Katholiken eine bittere Rechnung offen" , sagte der Journalist Uri Elitzur, "aber sein Besuch ist wichtig, weil er in der Welt ein wichtiger Mann ist." (Ben Segenreich aus Jerusalem/DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2009)