Das Bemühen um einen Arbeitsplatz allein genügt oft nicht. Die Jugendlichen, die täglich in den Werkstätten von "Jugend am Werk" für einen Lehrabschluss arbeiten, zeugen davon.

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Wien - "Mac! Mac? Maaac?! , schreit ein Lehrling nach seinem Kollegen. Aus einem Radio dringt Popmusik, im Hintergrund hört man Gelächter. Wir befinden uns in der Lehrwerkstätte von "Jugend am Werk" in der Brünner Straße 52 im 21. Wiener Gemeinbezirk, einer Organisation, die seit mehr als 60 Jahren in der Berufsbildung für junge Menschen tätig ist.

"Zu uns kommen Jugendliche, die in der freien Marktwirtschaft keine Lehrstelle finden" , beschreibt Wolfgang Bamberg die Zielgruppe. Der Pressesprecher begleitet uns durch das ehemalige Firmengelände der Elinwerke Elektrische Industrie. Heute zeugen Gebrumm, Dröhnen, Scheppern und Klirren von der Nutzung als Lehrwerkstätte.

Gedämpfte Erwartungen

Das erste auffällige Objekt ist ein Lkw, der mitten in einem Raum steht. "Die Erfahrungen brauchen sie später bei den Wiener Linien, wo sie Busmotoren reparieren müssen" , erklärt Bamberg.

Die nächste Station ist die Tischlerabteilung, in der wir Peter Waber bei der Arbeit an einem Stuhl antreffen. "Na sicher macht es Spaß" , sagt der 16-Jährige. Weniger sicher ist er sich bei seinen Zukunftsplänen. Die Gesellenprüfung bleibt vorerst das einzige Ziel.

Einen Raum weiter werken Jugendliche an Pansäge- oder Gewindeschneidmaschinen. Neben einem lärmenden Gerät steht der angehende Maschinenbautechniker Kristian Dimitnijevic. "Wir lernen hier viel" , sagt er, "arbeiten, Pause, arbeiten und Pause." Sein Traum ist eine Stelle beim Elektronikkonzern Philips, doch die Wirtschaftskrise dämpft seine Hoffnungen.

Ein schrilles Klingeln läutet die Mittagspause ein, die Lehrlinge strömen aus der Werkstatt. Eine halbe Stunde können sie im Café der Werkstatt jausnen. "Wir legen besonderen Wert darauf, gesundes Essen anzubieten" , sagt Bamberg. Allerdings scheinen sich die Automaten weitaus größerer Beliebtheit zu erfreuen.

Der Glaube, dass man für eine Lehrstelle keinen positiven Pflichtschulabschluss benötige, sei trügerisch. Bamberg sieht darin einen Grund dafür, dass viele erfolglos suchen: "Nach einem Bewerbungsgespräch sieht sich jeder Arbeitgeber die Noten an."

Ein erneutes Klingeln läutet den Wiederbeginn der Arbeit ein. Die meisten der wenigen Mädchen gehen in einen ungewöhnlich ruhigen Raum mit vielen Bildschirmen. Der Beruf des Wäschewarenerzeugers gilt oft als veraltet, doch hier wird mit moderner Technik gearbeitet. Schnittmuster werden nur anfangs manuell angefertigt, später können Lehrlinge auf digitale zurückgreifen.

23 jungen Frauen, nur ein Junge sticht aus der Menge heraus. "Am Anfang war es schwer, aber jetzt geht es gut" , schildert der 17-jährige Abdulsamed Simsek. Der Grund für seine Wahl liegt schlicht in der Tatsache, dass seine Schwester ebenfalls den Schneiderberuf erlernt hat, erzählt er. Ausüben will er ihn aber keinesfalls. Er träumt davon, nach der abgeschlossenen Lehre seinem Vater als Stapelfahrer zu folgen.

Ob der Beruf Wäschewarenerzeuger zukunftsträchtig ist? Ausbildnerin Ingrid Tauscher antwortet nüchtern: "Wenn ich realistisch bin, nein. Aber wichtig ist, dass die Jugendlichen eine abgeschlossene Berufsausbildung haben."

Absolut unschlagbar seien ihre Lehrlinge dagegen, wenn es um Völkerball geht: "Wir haben jedes Turnier bei den Jugendsporttagen für Lehrlinge gewonnen." Nun stehen alle Pokale im Regal und erhalten die Erinnerung an die gemeinsamen Siege im Leben. (Ina Bauer, Nermin Ismail, DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2009)