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Die Theologin Karen Armstrong wurde mit dem Leopold-Lucas-Preis ausgezeichnet.

Foto: APA/EPA/MARC HERWIG

Tübingen - Die Theologin Karen Armstrong hat am Dienstag den mit 50.000 Euro dotierten Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen bekommen, einen der höchstdotierten Wissenschaftspreise in Deutschland. Die 64-Jährige setze sich seit Jahren für die Überwindung religiös motivierter Gewalt ein, lobte die Jury. Indem sie unterschiedliche Religionen wissenschaftlich erschließe und trotzdem auch für Laien verständlich erkläre, schaffe sie die Grundlage für Toleranz und wechselseitigen Respekt. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist Armstrong eine gefragte Expertin für religiösen Fundamentalismus.

Die großen monotheistischen Religionen könnten zu einer Quelle für ein universelles Mitgefühl der Menschen werden, sagte Armstrong am Dienstag. "Ich sehe darin ein großes friedensstiftendes Potenzial, weil die Religionen vermitteln, dass man einen Unbekannten und selbst einen Feind lieben soll", sagte sie. Der Religion komme daher in der globalisierten Welt eine immer größere Bedeutung zu.

Bestseller

Armstrong hat zahlreiche Bestseller über religiösen Fundamentalismus geschrieben und auch Dokumentarfilme gedreht. In einer für ein großes Publikum verständlichen Weise biete sie so ein fundiertes Verständnis von Religionen und Sinngrundlagen menschlichen Lebens, sagte der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Friedrich Schweitzer. Gleichzeitig stelle sie aber wissenschaftliche Überlegungen von höchstem Wert an.

Nachwuchspreise

Die mit jeweils 3.000 Euro dotierten Leopold-Lucas-Nachwuchswissenschafterpreise gingen an den Philosophen Stephan Herzberg, den Historiker Marco Veronesi und die katholische Theologin Annette Jantzen.

Hintergrund

Der Leopold-Lucas-Preis wird jährlich für Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte und der Philosophie verliehen. Er erinnert an den jüdischen Religionswissenschaftler Leopold Lucas, der in Tübingen promovierte und im Konzentrationslager Theresienstadt umgebracht wurde. Der Preis wurde zu Lucas' 100. Geburtstag im Jahr 1972 von seinem Sohn gestiftet. (APA/dpa)