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Muss den im Eigentum des deutsch-französisch-spanischen Gemeinschaftsunternehmens EADS stehenden Flugzeugbauer Airbus heil durch die Turbulenzen der Finanz- und Luftfahrtkrise steuern: Airbus-Chef Tom Enders.

Foto: AP/Euler

Airbus-Chef Tom Enders glaubt, dass sich der Jumbo A380 irgendwann rechnen wird. Warum Finanzierungsgarantien, Überbuchungen und Kundennähe wichtig sind, sagte er Kurt Hofmann in Hamburg.

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STANDARD: Flugzeugverkäufe sind weltweit dramatisch eingebrochen. Auch Airbus muss die Produktion anpassen. Wie wird Airbus nach dieser Krise aussehen?

Enders: Es kommt darauf an wie tief und lange diese andauert. Aber zum jetzigen Zeitpunkt stellen wir fest, dass Airbus noch nicht dramatisch betroffen ist. Wir haben mit über 3500 Bestellungen ein gut gefülltes Auftragsbuch. In unserer Branche ist es auch so, dass Überbuchungen bei Flugzeugbestellungen gemacht werden. Dieser Puffer hilft uns jetzt. Wir haben unsere Produktion bereits angepasst, wollen aber so viele Maschinen ausliefern wie in 2008.

STANDARD: Stornieren viele Fluglinien Aufträge?

Enders: 2009 fokussiert sich Airbus auf die Auslieferung und weniger auf neue Bestellungen. Stornierungen von Flugzeugorders sind eigentlich untypisch, Fluglinien leisten bei einer Order ja bereits eine Anzahlung. Viel anspruchsvoller für uns ist das Verschieben von Auslieferungsterminen neuer Flugzeuge, dass muss sorgfältig gemanagt werden. Also wenn etwa ein Kunde sich entschließt, das Flugzeug anstelle heuer vielleicht erst 2013 zu übernehmen. Bislang konnten wir, wo immer ein Kunde seine Auslieferung nach hinten verschieben wollte, einen anderen Kunden für den früheren Auslieferungstermin gewinnen. Insbesondere ist es in diesen Zeiten wichtig, nahe beim Kunden zu sein.

STANDARD: Der Riesen-Airbus A380 verkauft sich schleppend. Wird dieses Flugzeug jemals ein Geschäft?

Enders: Airbus wird mit dem A380 Geld verdienen. Dennoch konnten wir im gegenwärtigen Marktumfeld unseren ursprünglichen Plan, heuer 18 A380 auszuliefern, nicht einhalten und haben die Produktion auf 14 Einheiten runterfahren müssen. Müssten wir das nicht tun, würde sich der A380 natürlich schneller rechnen. Manche Kunden sind auf uns zugegangen, einige ihrer A380 Auslieferungen zu verschieben. Aber bedenken Sie, dieses Flugzeug ist ein Projekt für die nächsten 40, 50 Jahre. Heute haben wir 200 Bestellungen von 16 Kunden.

STANDARD: Thema Flugzeugfinanzierung: Die Fluglinien haben immer weniger Geld, neue Flugzeuge zu kaufen ...

Enders: Bei Bedarf helfen wir Fluglinien, geeignete Finanzierungsmodelle am Markt zu finden. Auch die Exportkredit-Agenturen leisten einen wichtigen Beitrag und haben ihre Bereitschaft signalisiert, etwa die Hälfte der zur Auslieferung anstehenden Airbus Flugzeuge diese Jahr über Garantien (zum Beispiel durch Hermes-Bürgschaften, Anm.) abzusichern. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.5.2009)