Wien - Wer beim Internationalen Automobilverband (Fia), der in Paris zu Hause ist, ein Formel-1-Team anmelden will für die Saison 2010, hat zwischen 22. und 29. Mai die Gelegenheit dazu. Er erhält einige Zuckerln. Formula One Management (Fom), die Firma von Bernie Ecclestone, die die kommerziellen Rechte des Zirkus innehat, beteiligt Neulinge sofort an den Einnahmen, verspricht für die Saison 2010 allen eine Geldspritze von zehn Millionen Dollar (Fom-Währung). Zudem winken für alle außereuropäischen GPs jeweils der Transport von zwei Rennautos und zehn Tonnen Gepäck sowie 20 Flugtickets, freilich in der Economy-Klasse.

Falls Sie interessiert sind, müssen Sie den Experten der Fia nur noch beweisen, dass Sie qualifiziert sind als Konstrukteur von Rennautos, also über die nötige Infrastruktur, die finanziellen Möglichkeiten und die technische Kompetenz verfügen, um in der Formel 1 konkurrenzfähig zu sein. Versprechen Sie gleich bei der Anmeldung, zwischen 1. Jänner und 31. Dezember 2010 nicht mehr auszugeben als 45 Millionen Euro, winken weitere Vorteile. Nicht unter diese Beschränkung fallen übrigens Kosten für Marketing und die Bewirtung von Gästen, Gagen für die Piloten sowie von der Fia verhängte Geldstrafen. Und sogar ein nicht unwesentlicher Teil, der Motor, ist 2010 noch davon ausgeklammert.

Wer sich an die Beschränkung hält, was eine von der Fia beauftragte international tätige Firma kontrollieren wird, darf vorn und hinten verstellbare Flügel verwenden und einen Motor ohne Drehzahllimit. Heizdecken für die Reifen und das Nachtanken während der Rennen sind in Zukunft allen verboten. Zweiteres soll die Ingenieure anregen, die Effizienz der Motoren weiter zu steigern.

Elf Teams (22 Rennautos) sind heuer unterwegs, für die kommende Saison nimmt die Fia maximal 13 Teams auf, die Startnummer 13 allerdings wird auch in Zukunft nicht vergeben. Und just Brawn-GP, jenes Team, welches nach fünf von 17 WM-Läufen in der Konstrukteurs- und in der Fahrerwertung (Jenson Button) überlegen führt, war heuer schon zum Sparen gezwungen. Ross Brawn, der um einen symbolischen Preis die Mannschaft und Infrastruktur von Honda Racing übernahm, das sich angesichts der Krise vor der Saison zurückgezogen hatte, musste 270 Mitarbeiter entlassen, zudem vermietete er einen der beiden geerbten Windkanäle.

Für die kommende Saison soll es schon ein Dutzend neue Interessenten geben, die niedrigeren Kosten vergrößerten logischerweise das Zielpublikum. Die Alteingesessenen freilich sind mehrheitlich gegen das neue Reglement, vor allem Ferrari, BMW, Toyota und Red Bull, das sich heuer bisher als zweite Kraft etablierte. Der Ferrari-Aufsichtsrat beschloss am Dienstag, nicht an der WM 2010 teilzunehmen, falls die Regeln nicht geändert werden.

Fia-Präsident Max Mosley zitiert bei der Verteidigung seiner Ideen, die er für notwendig hält, um die Formel 1 vom Aussterben zu bewahren, am liebsten den 2005 verstorbenen Motorenpapst Keith David Duckworth (Cosworth): "Ein Ingenieur ist jemand, der für einen Dollar das macht, was jeder Idiot für hundert Dollar machen kann." Frage nicht, was ein Ingenieur für hundert Dollar kann. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 13. Mai 2009)