Konflikte im Krankenhaus: Oliver Baier als arroganter Chirurg, Josef Hader als nonkonformistischer Pathologe.

Foto: ORF

Hader und Schalko.

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Josef Hader und David Schalko drehen derzeit eine schwarzhumorige Mini-Krankenhausserie für den ORF. In "Aufschneider" spielt Hader einen kauzigen Pathologen, der sich gegen die "Götter in Weiß" stellt.


Wien – Um die Perspektive von "schräg unten" geht es der ORF-Krankenhausserie "Aufschneider", die derzeit in Wien und Niederösterreich gedreht wird. Schräg unten, das bedeutet aus den Kammern der Pathologie, in denen Josef Hader als kauziger Dr. Fuhrmann erbitterte Kämpfe gegen den Chirurgen Böck (Oliver Baier) ausficht. Die Idee zur Miniserie habe er schon lange mit sich getragen, erzählt Hader im Interview im Schweizerhaus, wo die Schauspieler Montag Drehhalbzeit feierten.

Bei Recherchen sei ihm der "tolle Schmäh" von Pathologen aufgefallen. "Ich glaube, die sind froh, dass der Patient nur in Form von Gewebeproben zu ihnen kommt." Mit Regisseur und Mitautor David Schalko entsteht nun eine "sehr österreichische Variante der Krankenhausserie", bei der der Heilaspekt weniger von Belang sei.

Schwarzer Humor

Mit viel schwarzem Humor soll von den Beziehungen jener Menschen erzählt werden, die "an der Schnittstelle von Leben und Tod arbeiten", so Hader. Das meint nicht nur den Konkurrenzkampf des nonkonformistischen Alt-68er-Typen Dr. Fuhrmann mit den versnobten Göttern in Weiß (Baier: "Bei Haders Figur geht es ums Sein, bei meiner um den Schein."), sondern reicht tief ins Private.

Ursula Strauss (Revanche, derzeit in Schnell ermittelt im ORF) spielt Haders Ex-Frau, die sich trotz komplizierter Sorgerechtspflichten von dem ruppigen Pathologen nicht endgültig lösen kann.

An "menschlichen Abgründen" ist Schalko beim Dreh thematisch interessiert – "wahrscheinlich eine Altersfrage!". Ob der Blickwinkel aus der wenig glamourösen, unspektakulären Pathologie ein typisch österreichischer ist? Schalko rückt die spitalsinternen Konflikte in den Vordergrund: "Im Gegensatz zu den Ärzten bekommen die Pathologen von ihren Patienten bestimmt keine teuren Cognac-Flaschen geschenkt!"

Österreichische Monty Python

Vom Krimi und der Gerichtsmedizin ist der Aufschneider also weit entfernt. Als Vorbild nennt Hader die 80er-Jahre-Komödie Küss mich, Doc, bei Schauspieler Manuel Rubey (Falco), der Fuhrmanns Assistenten Dr. Winkler verkörpert, weckte die Drehbuchlektüre gar Monty-Python-Assoziationen, auch wenn die Mentalität der Figuren "sehr österreichisch" sei.

Den Autoren Hader und Schalko rechnen ihre Darstellerkollegen Strauss, Rubey und Baier hoch an, dass diese sie "so viel mitsprechen lassen". Es sei schön, dass "so viel instinktiv passiert, viel miteinander ausprobiert wird", und alle Dialoge bei Leseproben – "ein Luxus beim Seriendreh!" – mit der Besetzung auf ihre Stimmigkeit geprüft werde. Stilistisch soll seine Serie "nicht so fernsehmäßig und aalglatt aussehen", verspricht Schalko, er forciere einen "unprätentiösen Stil, der das Erzählen und die Schauspieler in den Vordergrund stellt." Auch wolle er "nicht ständig versuchen, mit Originalität zu punkten." Hader ergänzt: Den Zuseher erwarte "ungefähr der Stil, den man von Indien und den Haas-Verfilmungen kennt."

Ausstrahlung wohl nicht vor 2010

Alles in allem sei der Aufschneider wohl "keine klassische Hauptabendserie", meint Schalko. Über einen Sendetermin für die vorerst sechs Halbstünder ist beim ORF noch nichts zu erfahren, nur der Hinweis, dass mit einer Ausstrahlung wohl nicht vor 2010 zu rechnen wäre. Hader zeigt sich darüber gelassen. Ihm ist ein "guter Ausstrahlungstermin später lieber als ein schlechter früher." (Isabella Pohl/DER STANDARD; Printausgabe, 13.5.2009)