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Auf dem Börsenparkett tauchen die ersten grünen Sprossen auf. Aktienmärkte haben deutlich zugelegt, doch zahlreiche Gefahren für den jüngsten Kurssprung könnten die Frühlingsstimmung eintrüben.

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Wien - Grün ist die Farbe des Börsenfrühlings. Analysten, Ökonomen und Investoren gleichermaßen sehen "Green Shoots", Anzeichen eines Auflebens der Wirtschaft. Die grünen Sprossen haben an den Aktienmärkten ein Kursfeuerwerk ausgelöst. In den USA und Europa stiegen die Aktienleitindizes S&P 500 und EuroStoxx50 um rund 40 Prozent. Der asiatische Hang-Seng-Index legte sogar um 55 Prozent zu.

Nicht nur Investoren sind von einem Aufschwung überzeugt, auch von den offiziellen Organisationen kommen positive Signale. JeanClaude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, sieht einen langsameren Abschwung, Ökonomen der Organisation für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen von einer "Pause".

Tatsächlich sind die Anzeichen für eine Verbesserung der Lage noch schwach, aber zumindest hat der Abschwung an Fahrt verloren. Die Vorlaufindikatoren der OECD, die einen Eindruck von der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung geben sollen, haben sich im März erstmals merklich erholt.

Märkte hoffen auf ein "V"

Die Märkte feiern den Aufschwung mit dem Victory-Zeichen. Denn immer mehr Investoren gehen von einem V-förmigen Wirtschaftszyklus aus. Auf einen scharfen Abschwung folge demnach ein ebenso scharfer Anstieg der Wachstumsraten. Die Gefahr, dass der Wirtschaftsverlauf einem L (ein langer Abschwung wie in Japan), U (längere Zeit zur Bodenbildung) oder W (höhere Unsicherheit) folgt, nehmen Börsianer derzeit nicht ernst. Dabei rechnen zahlreiche Ökonomen und Analysten nicht mit einem schnellen Aufschwung.

Die Freude auf dem Börsenparkett könnte also verfrüht sein. "Wir sind aus dem Hurrikan herausgekommen, aber es regnet immer noch," bringen es Analysten von Merrill Lynch auf den Punkt. Die aktuelle Rezession wird als eine der schwersten in die Geschichte eingehen. Die Anleger könnten in diesem Umfeld in der Traufe stehen. Denn Gefahren für die zarten Knospen des Wirtschaftsabschwungs bestehen weiterhin.

Derzeit seien fast alle Investments miteinander korreliert, warnen zahlreiche Portfoliomanager. Anleger haben nur eine Wahlmöglichkeit: "long" oder "short" auf den Aufschwung. Diese Entscheidung birgt Risiko in sich, haben doch auch frühere Abschwünge gezeigt, dass Bärenmarktrallys lange dauern können und auch hohe Gewinne abwerfen. Nach dem Börsencrash 1929 gab es sechs größere Kurssprünge, ehe der Markt 1932 den Boden erreichte. Diese Kursintermezzi brachten zwischen 19 und 52 Prozent. Rot könnte also die Farbe der Saison bleiben. (Die Aktienmärkte nehmen einen raschen Aufschwung vorweg, und zahlreiche Experten aus Wirtschaft und Politik rechnen ebenfalls mit einem Ende des Absturzes. Doch der Aufschwung könnte länger dauern als eingepreist. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2009)