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"Walk-In"-Kliniken in den USA auf dem Vormarsch

Foto: AP/Eckehard Schulz

New York/Wien - "Walk-In"-Kliniken, die in US-amerikanischen Einzelhandelsketten wie Wal-Mart zu finden sind, und Konsumenten parallel zu ihrem Einkauf Vor-Ort-Behandlungen ermöglichen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Wie die New York Times berichtet, wollen von diesem Trend nun auch viele Krankenhäuser profitieren. Allein in den USA sollen sich die Kliniken bereits in über 25 Fällen dem Wal-Mart-Businesskonzept angeschlossen haben. So hat die Cleveland Clinic beispielsweise einer Kette des Pharmazieanbieters CVS im Nordosten von Ohio ihren eigenen Namen geliehen und stellt entsprechende Infrastruktur zur Verfügung. Aber auch die Mayo Clinic hat ähnliche Ziele und betreibt bereits zwei sogenannte "Express Care"-Kliniken in Supermärkten und stark frequentierten Shopping Malls.

'Hausarzt-Denken' in Österreich

"Auch wenn ,Walk-In'-Kliniken für Länder wie Deutschland oder Österreich eine revolutionäre Idee darstellen würden, glaube ich nicht, dass sich ein solches Konzept hierzulande durchsetzen ließe", unterstreicht Konrad Toifl, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young in Österreich  und Experte der Branchengruppe Retail und Consumer Product. Der Fachmann begründet die seiner Ansicht nach "undenkbare Vorstellung" ähnlicher Konzepte hierzulande damit, dass das Berufsrecht der Ärzte greift und Modelle dieser Art allein schon aus berufsrechtlicher Sicht verboten sind. "Zudem herrscht gerade in Ländern wie Österreich und Deutschland ein gewisses 'Hausarzt-Denken', was den Erfolg dieser Konzepte schmälern würde.

Argumente der Kliniken

Das Expansionsstreben der Kliniken und Krankenhäuser sehen hingegen niedergelassene Hausärzte naturgemäß überhaupt nicht gerne und kritisieren diese oft als billige, unwürdige Wettbewerber. Die Hospitale ihrerseits sehen in der immensen Laufkundschaft der Shopping Malls dagegen die Chance, möglichst schnell an Kundschaft zu gelangen. Dabei rechtfertigt sich das Management vor allem in Bezug auf die Bedenken des Präsidenten Barack Obama, der gemeinsam mit Vertretern des Kongresses wiederholt vor einem Ärztemangel gewarnt hatte. Diese Lücke wolle man durch den Ausbau des umstrittenen Retail-Geschäfts nun zu schließen versuchen, um der breiten Öffentlichkeit einen Zugang zu medizinischen Dienstleistungen bieten zu können, argumentieren die Kliniken und Krankenhäuser weiter.

Behandlung gegen Barzahlung

In den sogenannten "Walk-In Centers", die unter anderem auch über spezielle Notaufnahme-Räume verfügen, sollen Patienten mit kleineren Beschwerden lokal behandelt werden. Dazu zählen Behandlungen mit Antibiotika bei Halsentzündungen oder kleineren viralen Infekten. Für Kunden nutzbar sind die medizinischen Dienstleistungen jedoch nur bei einer Barzahlung vor Ort oder Krankenversicherung. Selbst wenn sich viele dieser eher kleinen Behandlungen für Krankenhäuser nicht zum relevanten Umsatztreiber entwickeln werden, spielen sie jedoch in Hinblick auf das Marketing und Image eine entscheidende Rolle. So erhofft man sich, dass wegen einer Kleinigkeit behandelte Kunden bei künftigen Operationen oder klinischen Eingriffen wie beispielsweise Geburten die entsprechende Klinik bevorzugen.

Die Idee von Retail-Kliniken ist aber nicht neu. Bereits vor vier Jahren begannen Anbieter in diese Richtung zu gehen. Da heute nur noch maximal ein von zehn Retailern direkt mit einer Klinik oder einem Krankenhaus im Hintergrund operiert, sehen selbige immense Chancen, schreibt Medicine News. Auf die Idee der Wal-Mart-Integration mit derartigen "Shops" sind neben der Cleveland oder Mayo Clinic auch bereits Medizin(technik)-Hersteller wie Aurora Health System, CoxHealth oder auch die Christus Medical Group gekommen. Dabei richten sich viele Anbieter nach den Wünschen ihrer Patienten. Angenehme kurze Wartezeiten sowie hohe Transparenz sollen Kunden anlocken. Auch würden es die geringen Kosten ermöglichen, dass man allein in den USA 45 bis 50 Millionen Menschen damit versorgen könnte. (pte)