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Der Italiener Michele Scarponi kam solo in Mayrhofen an.

Foto: AP/ Trovati

Mayrhofen/Zillertal - Einer kam durch. Der Italiener Michele Scarponi hat am Donnerstag einen Solosieg gefeiert, als der Giro d'Italia bei seinem 100-Jahr-Jubiläum auf der sechsten Etappe in Tirol Station machte. Der 29-jährige Italiener, der mit vier anderen Radprofis nach rund 50 Kilometern ausgerissen war, gewann den 248-km-Abschnitt von Brixen in Südtirol nach Mayrhofen im Zillertal mit 32 Sekunden Vorsprung auf das Feld. Sein Landsmann Danilo di Luca verteidigte das Rosa Trikot des Gesamtführenden erfolgreich, der Tiroler Thomas Rohregger sprintete in seiner Heimat auf Rang 14.

Scarponi und der Weißrusse Wassili Kirijenka hatten beim Anstieg nach Hochkrimml (13 km) die anderen drei Fluchtgefährten distanziert, Kirijenka verlor durch einen Defekt 25 Kilometer vor dem Ziel kurzfristig und zehn Kilometer vor der Linie wegen Krämpfen endgültig den Anschluss. Scarponi rettete nach einer 200-Kilometer-Tour an der Spitze einen beruhigenden Vorsprung ins Ziel, obwohl im Finish das Team Quick Step vehement Tempo machte, um seinem Sprinter die Chance auf einen Sieg zu ermöglichen. Allen Davis (AUS) wurde schließlich hinter dem Norweger Edvald Boasson Hagen Dritter. Angesichts von mehr als sechs Minuten Rückstand hatte Scarponi "Ausgang" bekommen, er verbesserte sich auf Rang 34 (+5:23).

Elfter Profisieg für Scarponi

Für Scarponi war es der elfte Sieg als Profi und der erste in Österreich. Vor fünf Jahren war er Gesamt-Zweiter der Österreicher-Rundfahrt und der Etappe auf das Kitzbühler Horn gewesen, jeweils knapp hinter dem Australier Cadel Evans. Wie so viele Fahrer hat auch der Profi aus der Provinz Ancona ein dunkles Kapitel in seiner Biografie. Er hatte 2007 wie Ivan Basso zugegeben, in den spanischen Blutdopingskandal verwickelt zu sein und wurde für 18 Monate gesperrt. Nach dem Comeback präsentiert sich der Fahrer des Teams Diquigiovanni stark wie zuvor, gewann heuer bereits das Etappenrennen Tirreno-Adriatico.

Rohregger: "Bisher recht gut verkauft"

Rohregger behauptete sich bei seinem Debüt in einer dreiwöchigen Rundfahrt neuerlich im Kreis der Besten. Auf den gefährlich engen Straßen in Mayrhofen fuhr der 26-Jährige weit vorne ("Da musste man sehr gut aufpassen") und wurde mit 36 Sekunden Rückstand unmittelbar hinter Vortagessieger Denis Mentschow (RUS) klassiert. In der Gesamtwertung behielt der Kramsacher den 18. Platz, 3:15 Minuten hinter Di Luca. "Ich glaube, ich habe mich bisher recht gut verkauft", meinte Rohregger.

Der Kapitän des deutschen Milram-Rennstalls genoss die tolle Atmosphäre auf der Fahrt in seine Heimat, obwohl ihm Blütenpollen zu schaffen machten. Als im Anstieg nach Hochkrimml, rund 50 Kilometer vor dem Ziel, der Italiener Stefano Garzelli ausriss, wollte Rohregger mitziehen. "Ich habe kurz überlegt, schließlich ist es die Tirol-Etappe, aber dann hat die Vernunft gesiegt." Das Ziel des Siegers der vorjährigen Österreich-Rundfahrt ist ein Gesamtrang in den Top 20 und da heißt es hauszuhalten mit den Kräften. Garzelli wurde ohnehin wieder eingeholt.

"In Topform bin ich noch nicht"

Vor der Freitag-Etappe von Innsbruck nach Chiavenna (244 km) zog Rohregger zufrieden Zwischenbilanz. "Ich fühle mich noch erstaunlich gut, bin voll motiviert", sagte der frühere Elk-Fahrer. "Es soll nicht überheblich klingen, aber in Topform bin ich noch nicht. Die kann während des Giro noch kommen", betonte der Debütant, der vor drei Wochen Antibiotika nehmen hatte müssen. Bis zum ersten Ruhetag am Montag hat er noch drei harte Etappen vor sich.  (APA/red)

Ergebnisse 92. Giro d' Italia der Radprofis vom Donnerstag:

6. Etappe, Brixen/Südtirol - Mayrhofen im Zillertal (248 km): 1. Michele Scarponi (ITA) Diquigiovanni 5:49:55 Std. - 2. Edvald Boasson Hagen (NOR) Columbia +32 Sek. - 3. Allan Davis (AUS) Quick-Step - 4. Filippo Pozzato (ITA) Katjuscha - 5. Matthew Goss (AUS) Saxo Bank - 6. Philippe Gilbert (BEL) Silence Lotto - 7. Enrico Gasparotto (ITA) Lampre alle gl. Zeit - 8. Michael Rogers (AUS) Columbia +36 - 9. Danilo di Luca (ITA) Team LPR - 10. Tadej Valjavec (SLO) AG2R. Weiter: 14. Thomas Rohregger (AUT) Milram - 15. Thomas Lövkvist (SWE) Columbia gl. Zeit - 73. Lance Armstrong (USA) Astana 1:15 Min.

Gesamtwertung: 1. Di Luca 22:11:15 - 2. Lövkvist +5 Sek. - 3. Rogers 36 - 4. Levi Leipheimer (USA) Astana 43 - 5. Denis Mentschow (RUS) Rabobank 50 - 6. Ivan Basso (ITA) Liquigas 1:06 Min. - 7. Carlos Sastre (ESP) Cervelo 1:16 - 8. Chris Horner (USA) Astana 1:17. Weiter: 18. Rohregger 3:15 - 25. Armstrong 4:13