Die EU-Wahlplakate der FPÖ wurden bereits kreativ bearbeitet: "Abendland in Christenhand" wurde zu "Flaschenpfand in Christenhand", auch "Abendland im Schlumpfverstand" ist zu lesen.

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Wien - In der ÖVP verfolgen alle gebannt das Match des Listenzweiten Othmar Karas gegen Spitzenkandidat Ernst Strasser. Es ist ein Konflikt, der diesen ansonst öden Wahlkampf ein wenig aufpeppt: Gelingt es Karas, dem das Prädikat "langweilig" anhaftet, den an sich nicht sonderlich beliebten Strasser mit einem Vorzugsstimmenwahlkampf zu überholen?

Der Umsturz ist unwahrscheinlich. Karas müsste wohl vier- bis fünfmal mehr Vorzugsstimmen holen als 2004 (9801), um die nötigen sieben Prozent aller ÖVP-Stimmen zu schaffen. Aber auch so könnte sich die auf den ersten Blick unangenehme Rivalität für die Partei als Glücksfall entpuppen: Vielen ÖVPlern ist die Wahl wenigstens nicht egal, Anhänger beider Lager legen sich ins Zeug. "Ich muss zugeben, die Mobilisierung der eigenen Mannschaft funktioniert auf diesem Wege blendend" , sagt Generalsekretär Fritz Kaltenegger.

Probleme dieser Art hätten die anderen Parteien gerne. Allerorts plagen sich Kampagnenleiter mit trägen Sympathisanten. Die SPÖ sei bei jenen Leuten Erster, die nicht zur Wahl gingen, klagt Parteichef Werner Faymann. Die Grüne Ulrike Lunacek kämpft darum, aus dem Schatten von Vorgänger Johannes Voggenhuber herauszutreten - mit bescheidenem Erfolg, wenn man die Stimmung in der eigenen Partei als Maßstab nimmt. Das BZÖ wiederum wirft alles in Kärnten in die Schlacht. Schaffen die Orangen dort um die 35 Prozent, sollten im Rest Österreichs schwache zwei Prozent reichen.

Auch die FPÖ versucht, ihre Funktionäre anzustacheln - mitunter mit fragwürdigen Methoden: In einem internen Argumentarium werden Gegner heruntergemacht (siehe Interview rechts). ÖVP-Generalsekretär Kaltenegger spricht von einer "widerlichen Tonart" . Die FPÖkönne "nur Leute anschütten, sonst ist nichts dahinter".

Die Blauen, die vom Katastrophenniveau von 2004 (6,3 Prozent) ausgehen, können praktisch nur gewinnen. Was den Erfolg allerdings schmälern könnte, wäre eine extrem niedrige Wahlbeteiligung. Diese lag schon vor fünf Jahren nur bei 42,43 Prozent. Sinkt sie - wie prophezeit - weiter, schadet das tendenziell den Parteien des kleinen Mannes, weil sich Bildungsbürger eher ins Wahllokal aufmachen.

Wie könnten die Parteien ihre Sympathisanten besser für die EU-Wahl begeistern? Der Politologe Peter Filzmaier glaubt, dass auch die tollste Kampagne da nur begrenzt etwas ausrichten könne. Er plädiert für ein neues Wahlsystem, bei dem etwa die Persönlichkeit der Kandidaten eine größere Rolle spielt oder Parteien mit europaweiten Listen antreten, gepaart mit Elementen wie der Direktwahl des EU-Präsidenten. "Denn eine Frage können die Politiker nicht beantworten" , sagt Filzmaier: "Welchen Unterschied macht es, ob unter 785 Europaparlamentariern vier oder fünf aus einer österreichischen Partei sitzen? Die Wähler geben darauf eine ehrliche Antwort: Keinen. Und sie haben nicht unrecht."

Das würden sich insgeheim auch die Strategen in den Parteien denken, vermutet Filzmaier - und erklärt sich so den mauen Wahlkampf: Bevor diese zusätzliche Millionen für einen fragwürdigen Nutzen ausgeben, "setzen sie im Zweifelsfall auf Schadensbegrenzung statt volles Risiko". (Gerald John, Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 15.5.2009)