Gegen ÖH-Zwangsmitgliedschaft: Philipp Schrangl (RFS).

Foto: Standard/Fischer

Wien - Im Vorzimmer von Philipp Schrangl, dem Spitzenkandidaten des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), hängt ein Foto von Che Guevara. Ursprünglich gedacht als Einstandsgeschenk für einen "sehr guten Schulfreund" , einen "Sozialdemokraten und Kommunisten" , ist es mangels Einweihungsparty noch nicht übergeben worden.

Nun überlegt Schrangl, seinen ÖH-Kollegen Sebastian Wisiak vom Kommunistischen StudentInnenverband, zu dem er ein gutes Verhältnis pflegt, zu beschenken.

Im Alter von 24 Jahren hat Schrangl eine lange freiheitliche Karriere hinter sich. Als er mit 15 Jahren zum Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) Oberösterreich kam, war er bereits "Mittelschulburschenschafter in Linz" . Um Jus zu studieren, zog er nach Wien, wo er sich einer Hochschulburschenschaft anschloss.

Für die Finanzierung seiner Wohnung im 18. Wiener Gemeindebezirk sorgen "Eltern, die sehr brav sind" , und sein Großvater. "Die sind aber keine Burschenschafter und fraktionslos" , wie Philipp Schrangl betont.

Das wichtigste Ziel des RFS ist für ihn, "die ÖH zu einer Interessenvertretung zu machen, die alle Studenten vertritt und nicht nur Randgruppen" - namentlich "Transgender, Homosexuelle und Ausländerreferat" . "Ich habe nichts gegen diese Leute" , beteuert er, "solange sie nicht sagen, ich muss auch homosexuell werden."

Zum Aufgabenfeld der ÖH sollen auch Jungakademiker zählen. "Turnusärzte oder Rechtsanwaltskonzipienten haben keine Vertretung, solange sie nicht in einer Kammer oder Gewerkschaft organisiert sind." Die ÖH-Zwangsmitgliedschaft solle abgeschafft werden.

In puncto Gleichstellung kritisiert Schrangl die Bestellung des neuen Rektors der Med-Uni Innsbruck als "nicht nachvollziehbar. Obwohl im Dreiervorschlag eine Frau die Beste war, ist sie es trotzdem nicht geworden." Dass es in ganz Österreich keine einzige Uni-Rektorin gibt, findet er "schade" .

"Diskriminierendes" Binnen-I

Das Binnen-I bezeichnet er aber als "Sprachvergewaltigung" und "dieses Gendern in der Sprache" als "diskriminierend" - für Blinde und für "unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund" . Es verkompliziere die Brailleschrift und überfordere Menschen nichtdeutscher Muttersprache.

Für Empörung sorgte der RFJ Oberösterreich im März mit einem Werbe-Sujet, das eine Zigarettenschachtel mit der Aufschrift "Gemischte Sorte - Zuwanderung kann tödlich sein" zeigt. Der Chefdirigent des Bruckner-Orchesters Linz, Dennis Russell Davies, erstattete Anzeige wegen Diskriminierung. Philipp Schrangl will sich von der RFJ-Botschaft nicht distanzieren: "Persönlich gebe ich keine Kommentare ab zu Dingen, die nichts mit mir zu tun haben." (Romana Riegler, DER STANDARD, Printausgabe, 15.5.2009)