Wien - Bank Austria, Erste Group und Raiffeisen International (RI) - allesamt Platzhirschen in Osteuropa österreichischer Provenienz - haben ein solides erstes Quartal abgewickelt. Rote Zahlen blieben trotz krisenbedingter Vervielfachung der Kreditvorsorgen aus.

Am Donnerstag beendete Raiffeisen International den Quartalsreigen und zeichnete ein ähnliches Bild wie zuvor schon die Konkurrenz: Das Betriebsergebnis lag mit 1,1 Mrd. Euro sogar über dem Vorjahreswert. Daraus lässt sich ablesen, dass das "normale" Bankgeschäft - im wesentlich der Zinsüberschuss - zwar kaum zusätzliches Ertragspotenzial birgt, aber keinesfalls zum Erliegen gekommen ist.

Abschreibungen in Betracht ziehen

Etwas anders sieht es da schon aus, wenn man die Abschreibungen in Betracht zieht. RI musste die Kreditvorsorgen von Jänner bis März auf 445 Mio. Euro fast verfünffachen. Vor allem Russland und die Ukraine zogen dabei eine Blutspur durch das Ergebnis. Und die überfälligen Kredite selbst stiegen von 3,1 auf 4,8 Prozent an. Diese Entwicklung ist auch der Grund, warum Analysten daran zweifeln, dass den Problemfällen ausreichend Rechnung getragen wird. Als "nicht nachhaltig" bezeichnete Cristina Marzea von Merrill Lynch laut Nachrichtenagentur Reuters die eingestellten Vorsorgen.

Dabei rührte Raiffeisen Internation im Kreditportfolio weit stärker um als die Kontrahenten, was mit rigiderer Bewertung oder mit schlechterer Güte der Ausleihungen zu tun haben kann. Bank Austria (auf 446 Mio. Euro) kam ebenso wie Erste (370 Mio. Euro) mit etwas mehr als einer Verdoppelung der Vorsorgen über die Runden. Doch das Thema wird erst heißt. Das erste Quartal wiege die Szene in "falscher Sicherheit" , meint ein Beobachter. Er spricht von großem Interpretationsspielraum bei der Einstufung der Kreditqualitäten.

Dass die Kreditausfälle die Achillesferse der Banken sind, ist freilich kein Osteuropa-Phänomen. Mit Polytec, Eybl International und HTI kam oder kommt es bereits bei renommierteren österreichischen Unternehmen zu Problemen. Allerdings zeigen die Raiffeisen-Zahlen doch, dass die Vorsorgen vor allem in den riskanteren Märkten Russland und Ukraine markant zulegten.

Mehr Eigenkapital

Dazu kommt, dass die Verschlechterung der Bonität von Schuldnern die Banken zwingt, die Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Auch bei diesem Punkt dürften die Institute die Wirtschaftskrise noch lange nicht bilanziell umgesetzt haben. Dennoch schrumpfte die RI-Eigenkapitaldecke bereits auf 7,7 Prozent, was insbesondere in Anbetracht des großen Engagements in riskanten Märkten zu Denken gibt. Eine Stärkung der RI durch Hauptaktionär Raiffeisen Zentralbank - ermöglicht durch staatliche Hilfe für die Mutter - steht bevor.

Und noch eine schlechte Nachricht kommt aus dem Osten - und die hat nichts mit Anfeindungen von Währungsfonds, Nobelpreisträgern oder Ratingagenturen zu tun: Die heimischen Banken haben ihre Expansion in der Region zu einem guten Teil im Wege von Übernahmen bewerkstelligt. Die (aus heutiger Sicht) überhöhten Kaufpreise schlummern als sogenannter Goodwill in Milliardenhöhe noch immer in den Büchern. Sollte die Krise nachhaltig sein - wovon eigentlich jeder ausgeht - drohen riesige Abschreibungen auf diese Positionen. Das Schlimmste steht also noch bevor.(Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.5.2009)