Salzburg/Wien - Der Verbund will "Mitte des Jahres" mit dem Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Salzach neu (Salzburg) und St. Peter (Oberösterreich) - einem Teil des österreichischen 380-kV-Rings - beginnen. Die Leitung soll 2011 in Betrieb gehen, teilte die Verbund-Austrian Power Grid AG am Freitag in einer Aussendung mit. Durch die Errichtung der 46 Kilometer langen Leitung könnten 64 Kilometer derzeit bestehende 110- und 220-kV-Hochspannungsleitungen abgebaut werden.

Dieses Projekt trage zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit bei, wurde betont. Das Investitionsvolumen von 96 Mio. Euro mit einem hohen heimischen Wertschöpfungsanteil leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Konjunkturbelebung.

"Ankündigung ist kontraproduktiv"

Die Ankündigung erntete allerdings nicht überall ungeteilte Zustimmung. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) und LHStv. Wilfried Haslauer (ÖVP) fanden es am Freitag "schade, dass der Verbund noch vor der Präsentation der Ergebnisse des EU-Koordinators, die schon in wenigen Wochen zu erwarten sind, eine definitive Bauentscheidung für den ersten Abschnitt trifft. Das schürt in Salzburg unnötige Emotionen und ist daher kontraproduktiv."

Es gäbe zwar einen rechtskräftigen Bescheid, der Zeitpunkt der Ankündigung sei aber "ungünstig gewählt" worden, weil der Bericht des EU-Koordinators Georg Adamowitsch betreffend den zweiten Leitungsabschnitt bereits in wenigen Wochen zu erwarten sei. "Angesichts der breiten Debatte über die 380-kV-Leitung im Flachgau wäre es sinnvoll gewesen, wenn der Verbund den Bericht des EU-Koordinators abgewartet hätte", erklärte Burgstaller. Sollte es nach dem Bericht des EU-Koordinators für den zweiten Abschnitt der 380-kV-Leitung im Einvernehmen mit den Gemeinden und der Bevölkerung zu einer verträglichen Lösung kommen, werde die Landesregierung selbstverständlich versuchen, im Einvernehmen mit dem Verbund auch für den ersten Abschnitt Verbesserungen herbeizuführen.

FPÖ fordert Baustopp

Lukas Essl, Umweltsprecher der Salzburger FPÖ, forderte die Bundesregierung auf, den Bau unverzüglich zu stoppen. Sollte die Bundesregierung nicht eingreifen, handle sie klar gegen die Interessen der Bevölkerung, so Essl: "Nur der Bund als Mehrheitseigentümervertreter kann dem Bau rasch einen Riegel vorschieben." Sowohl die Salzburger Landespolitiker von SPÖ als auch ÖVP müssten auf ihre Parteikollegen in der Bundesregierung Druck ausüben.

"Bisher hat sich die Bundesregierung in dieser Frage aber immer aus der Verantwortung gezogen und die Menschen im Stich gelassen", kritisierte der Salzburger Freiheitliche. Wirtschaftliche Aspekte dürften bei der Bundesregierung "leider im Vordergrund stehen". Auf das Argument, wonach eine Verkabelung der Stromautobahn möglich wäre, sei der Bund nicht ernsthaft eingegangen. "Die Mitglieder der Bundesregierung sollten sich endlich um die Sorgen der Menschen kümmern und nicht nur um die wirtschaftlichen Interessen einiger Konzerne", verlangte Essl.

E-Wirtschaft begrüßt Startschuss

Österreichs E-Wirtschaft begrüßt hingegen - erwartungsgemäß - den Baustart für den ersten Teil des Lückenschlusses im Höchstspannungsnetz als wichtigen Schritt zu mehr Versorgungssicherheit in Österreich. "Damit erhält die Stadt Salzburg eine leistungsfähige Anbindung", erklärte die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt.

Die Politiker in Salzburg sollten aber jetzt auch das Wohl aller Österreicher im Auge haben und rasch eine Lösung für den noch ausstehenden 2. Teil der Salzburgleitung "Tauern - Salzach neu" ermöglichen. Für diesen Teil wurde noch kein Genehmigungsverfahren eingeleitet. Derzeit wird der Bericht des EU-Koordinators abgewartet. (APA/red)