Frankfurt/Main - Eltern können Kinder mit Lese-Rechtschreib-Störung fördern, indem sie gemeinsam mit ihnen Geschichten laut vorlesen. "Wechseln Sie sich beim Lesen von kurzen Textabschnitten ab und erlauben Sie Ihrem Kind ruhig, anfangs die Sätze für sich leise zu lesen", empfiehlt Gerd Schulte-Körne von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Geübt werden sollte nicht länger als 15 Minuten täglich, da dem Kind möglicherweise schnell die Motivation verloren gehe.

"Es liest nur mit größter Mühe. Loben Sie Ihr Kind, unabhängig vom Ergebnis, schon allein für seinen Einsatz", rät der Professor. Um die Rechtschreibung zu verbessern, könne die Schreibweise von wichtigen Wörtern wie beim Vokabel-Training mit Karteikarten geübt werden: "Wird ein diktiertes Wort an drei aufeinander folgenden Tagen richtig geschrieben, beherrscht das Kind voraussichtlich die Schreibweise." Durch das Lernen von Rechtschreibregelmäßigkeiten könne der Lerneffekt noch verstärkt werden.

Hoher Leidensdruck

Schüler mit Lese-Rechtschreib-Problemen können aufgrund einer Wahrnehmungsstörung gesprochene Wörter nur schwer in Laute zerlegen und die Laute nur mit Mühe den entsprechenden Schriftzeichen zuordnen. Häufig verwechseln sie ähnlich klingende Laute oder ähnlich aussehende Buchstaben. Trotz intensiven Übens und guter intellektueller Fähigkeiten machen sie laut Schulte-Körne beim Schreiben deutlich mehr Fehler und lesen langsamer als ihre Mitschüler.

In besonders schweren Fällen wird von Legasthenie gesprochen, von der etwa zwei bis vier Prozent aller Kinder betroffen sind. Die Kinder empfinden nach Angaben des Experten meist einen hohen Leidensdruck wegen ihrer schlechten Leistungen sowie oft fehlender Unterstützung und Förderung. (APA/AP)