Wien  - Der Wiener Vortrag von Norman Finkelstein, Autor des umstrittenen Buches "Die Holocaust-Industrie", wird nach Protesten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) an einen anderen Ort verlegt. Wie die Veranstalter des Vortrags am Freitag in einer Aussendung bekanntgaben, wird die Veranstaltung statt auf dem Campus der Universität Wien nun am 27. Mai im Eventhotel Modul in Wien-Döbling stattfinden. Die Änderung des Ortes sei nötig geworden, da der "Mietvertrag für den Hörsaal C1 am Campus im Alten AKH überraschenderweise aufgelöst wurde", und das, obwohl bereits alles "genehmigt und bezahlt war", heißt es in dem Schreiben.

Wohlwollen der rechtsextremen Szene

Der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden hatte gegen den geplanten Auftritt auf dem Uni-Campus in Wien protestiert. In einer von der "Vereinigung AkademikerInnen für Frieden im Nahen Osten" (SPME Austria) und der "Aktion gegen Antisemitismus in Österreich" mitunterzeichneten Aussendung bezeichneten sie Finkelstein, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, als "antiisraelischen Agitator". Daraufhin dementierte die Sprecherin der Universität Wien, Cornelia Blum, gegenüber der APA auf Nachfrage, dass es einen Auftritt Finkelsteins auf dem Gelände oder in den Gebäuden der Universität Wien geben würde.

Finkelstein vertritt in seinem Buch "Die Holocaust-Industrie" die These, dass die Zionisten den Holocaust dazu nutzten, um Kritik an der israelischen Politik zum Verstummen zu bringen. Damit trage er zur "Relativierung der Shoah und Verbreitung des Antisemitismus" bei, vor allem weil er die Einzigartigkeit des "nationalsozialistischen Menschheitsverbrechens offen in Abrede stellt", meinte die Kultusgemeinde in ihrer Aussendung.

Gerade in Österreich sehen die protestierenden Organisationen einen "fruchtbaren Boden" für die Behauptungen Finkelsteins, da es lange Schwierigkeiten mit der Annahme von Schuld gegeben habe. Sie äußerten die Befürchtung, dass die Aussagen des umstrittenen Autors "gerade jene fast 50 Prozent der ÖsterreicherInnen, die meinen, dass die Juden den Holocaust für ihre Zwecke ausnutzen", bestätigen würden. Finkelstein genieße demnach auch großes Wohlwollen in der rechtsextremen Szene. So habe etwa die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtete "National-Zeitung" im September 2000 euphorisch getitelt: "Ein Jude spricht die Deutschen frei!" (APA)