Wien - Raiffeisen International (RI), die börsennotierte Osttochter der Raiffeisen Zentralbank (RZB), sichert sich frisches Geld. In der Hauptversammlung am 9. Juni will sich die auch in Russland und in der Ukraine massiv engagierte RI von ihren Aktionären (31,5 Prozent sind im Streubesitz, 68,5 gehören der RZB) die Erlaubnis holen, bis zu zwei Milliarden Euro "an Genussrechten mit Eigenkapitalcharakter" auszugeben. Das geht aus der am Freitag in der Wiener Zeitung veröffentlichen Tagesordnung für die jährliche RI-Aktionärsversammlung hervor.

"Keine konkreten Pläne"

Was das Institut mit den Milliarden, die es in den nächsten fünf Jahren in Tranchen abrufen will, finanzieren wird, darüber schweigt man sich am Firmensitz am Wiener Stadtpark aus. "Es gibt keine konkreten Pläne" , versichert eine Sprecherin, es handle sich lediglich um einen Vorratsbeschluss, den sich der Vorstand rund um General Herbert Stepic genehmigen lasse. Schließlich wolle man für alle Fälle gerüstet sein und volle Flexibilität haben.

Auch Stepic sagte bei seinem Auftritt auf der Jahrestagung der Osteuropabank (EBRD) in London, RI habe derzeit keine Zukaufspläne. Er räumte allerdings ein, dass in der Krise grundsätzlich die richtige Zeit wäre, um andere Institute zu erwerben, weil die Bewertungen niedrig seien. Aber RI habe dafür kein Kapital zur Verfügung. "Wenn ich es hätte, dann würde ich jetzt zuschlagen", so der RI-Chef, der versicherte, er sehe derzeit "keine andere Region, die mehr Chancen hätte und die interessanter wäre als Mittel- und Osteuropa".

Eigenkapitaldecke soll gestärkt werden

Da die RI explizit Genussscheine mit Eigenkapitalcharakter ausgeben will (und keine Wandel- oder Hybridanleihe mit Umtausch- oder Bezugsrecht auf Aktien), aber ihre bestehenden Aktionäre ausschließt, ist klar: Die Bank will ihre eher dünne Eigenkapitaldecke stärken, aber dabei nicht ihre Altaktionäre verwässern - und sicherstellen, dass niemand mitredet.

Vorteil solcher Finanzinstrumente ist außerdem, dass sie extrem kurzfristig, quasi über Nacht, am Markt platziert werden können. Über potenzielle Investoren für solch fix verzinste, aber doch riskante Genussscheine in Zeiten der Finanzkrise wird am Markt spekuliert. RI-Mutter RZB kann es mangels Bezugsrecht nicht sein (sie hat ihr Eigenkapital gerade erst um 1,75 Mrd. Euro staatliches Partizipationskapital aufgestockt), wohl aber ihre Aktionäre, die Raiffeisen-Landesbanken.

Analysten der Deutschen Bank haben das Kursziel für RI-Aktien jedenfalls von 20 auf 16,50 Euro heruntergestuft, meldet Bloomberg. Die Anlageempfehlung wird weiterhin auf "Hold" belassen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.5.2009)