Prototyp einer Tischlampe (1952/53) von Wilhelm Wagenfeld.

Foto: Dorotheum

Eine kunsthistorische Tragödie, die auf der Mülldeponie endet? Donnerstagabend sollte im Rahmen der Design-Auktion im Dorotheum ein von Carl Auböck 1928 für seine Wohnung entworfenes Ensemble versteigert werden. Wenige Stunden vor der Auktion war es offiziell, das Bundesdenkmalamt signalisierte das befürchtete Ausfuhrverbot.

Die sechs Positionen wurden - wie vom Einbringer gewünscht - einzeln aufgerufen. Das unglückliche Resultat: Nur der Armsessel (netto 3600, brutto 4500) und der Beistelltisch (netto 3000, brutto 3750) wechselten den Besitzer. Exakt sieben Jahrzehnte hatten der Vollständigkeit des Schlafzimmerensembles nichts anhaben können, mit der Entscheidung des Bundesdenkmalamtes und der Auktion ist es nun zerrissen.

Für ein Museum dürfte diese Einrichtung schlicht zu umfangreich gewesen sein. Der Einbringer bleibt nun auf dem Rest sitzen, den beiden Kleiderkästen, den Aufsatzmöbeln, dem Tisch, zwei Hockern und einem Armsessel.

Ein weiteres Ensemble scheiterte dagegen am zu hohen Limit. Die um 1901/02 von Josef Hoffman für die Wohnung v on Gustav Pollak entworfene und von Portois & Fix ausgeführte Esszimmereinrichtung blieb ohne Gebot. Die Taxe von 250.000 bis 300.000 Euro schreckte sogar den Handel ab. Insgesamt verlief die im Rahmen der zweiten Auktionswoche des Jahres abgehaltene Versteigerung durchaus zufrieden stellend. Den höchsten Zuschlag des Abends bewilligte die Sensalin bei 50.000 Euro (brutto 61.300) für Ron Arads 2001 ausgeführten Victoria & Albert Fauteuil. Für 38.000 Euro (46.660) wechselte Zaha Hadids Sofa Moraine in rumänischen Besitz.

Im direkten Vergleich zum Vorjahr konnte das Dorotheum seinen Nettoumsatz aus vier Auktionstagen um insgesamt zwölf Prozent auf 6,39 Millionen Euro (2008: 5,69 Mio) steigern. Den stärksten Einbruch verzeichnete die Sparte Jugendstil, die gegenüber 2008 um 38 Prozent auf netto 434.700 Euro abrutschte. Den wertmäßig höchsten und einzigen Lichtblick verdankt man einem Schweizer, der sich Maurice Bouvals Tischlampe Le Chardon, mit einem Glasschirm in Form einer Distelblüte, für 28.000 Euro (brutto 34.500 Euro) sicherte.

Bei Zeitgenössischer Kunst verpasste man die Umsatzvorgabe des Vorjahres (1,83 Mio) mit einem Nettoergebnis von 1,79 Millionen Euro nur knapp, die Absatzquote fiel aber von 62 auf schmale 44 Prozent. Georg Baselitz‘ Pullover Oben wechselte zum Limit von 180.000 Euro (225.400) in deutschen Besitz und führt die Liste der höchsten Zuschläge an.

Nennenswerte Zuwächse durfte das Dorotheum dagegen für Kunstwerke der Sparten Silber (plus 29 Prozent) und vor allem Klassische Moderne (plus 61,6 Prozent) verbuchen, trotzdem das höchstdotierte Lot (Claude Monets Nympheas, 370.000-420.000) unverkauft blieb. Übers Telefon reichte man bei einem Gebot von 350.000 Euro (409.800) Giorgio Morandis Landschaft weiter. Und auch Rudolf Leopold hatte sich zum Kunstshopping eingefunden, holte sich für seine Sammlung etwa eine räudige Katze von Alfred Kubin (netto 11.000/brutto 13.720) als auch Albin Egger-Lienz' Ölbild An der Drau (netto 60.000 / brutto 73.500). (kron, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 16./17.05.2009)