Wien - Im Jüdischen Museum der Stadt Wien herrscht eine nervöse Stimmung: Man wirft Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) Säumigkeit bei der Suche nach einem neuen Direktor vor. Denn der Vertrag von Karl Albrecht-Weinberger, der das Haus seit 1. Jänner 1998 leitet, wurde zuletzt nur um eineinhalb Jahre verlängert - und läuft Ende Juni 2010 aus. Zudem wird befürchtet, dass Mailath einen Nachfolger ohne vorherige Ausschreibung zu bestellen gedenke. Als Wunschkandidat gilt dessen Mitarbeiter Daniel Löcker.

Gerlinde Riedl, Mailaths Pressesprecherin, antwortet gegenüber dem Standard ausweichend: Der Stadtrat sehe keinen Handlungsbedarf, da "das Thema einer Verlängerung oder Nachbesetzung der Direktion noch nicht auf die politische Ebene gekommen" sei. Diese Aussage sorgt in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für Verwunderung. Denn Mailath wurde brieflich mehrfach aufgefordert, sich des Museums im Palais Eskeles anzunehmen, weil die Zeit knapp sei.

Die IKG, mit drei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten, verlangt eine Evaluierung des Museums durch internationale Fachleute und eine programmatische Zielsetzung. Erst in einem zweiten Schritt soll eine geeignete Leitung gefunden werden. Die Vorschläge der IKG wurden in der jüngsten Aufsichtsratssitzung "zur Kenntnis genommen" .

Der Aufsichtsrat konstituierte sich neu: Mailath berief die Mitglieder Günter Düriegl und Johann Marte ab; ihnen folgen Bettina Leidl, Lilly Sucharipa-Behrmann und Christian Kircher nach. Düriegl spricht sich für eine Verlängerung des Vertrags von Albrecht-Weinberger aus, der einen guten Job mache. Falls das nicht gewünscht sei, hält er eine Ausschreibung für unabdingbar. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 16./17.05.2009)