Als vierte Gewalt werden Medien ja gerne bezeichnet. Ob Ekelfleisch in der Edelgastronomie oder Gaunerei beim Glücksspiel - wenn Missstände live vor der Kamera aufgezeigt werden, ist das oft unterhaltsam.

Am Donnerstag um 21 Uhr machten sich die seriösen ZDF.reporter auf den Weg nach Österreich. Im schicken schwarzen Anzug, mit einem Koffer voller Bargeld und einer Geschichte, die jedem Banker Freudentränen in die Augen treibt: Man sei mit einer Software-Firma wahnsinnig erfolgreich. Aber irgendwie - na ja, die vielen Steuern in Deutschland.

Kurzum also: Ob man da in der Innsbrucker Volksbank nicht ein bisserl behilflich sein könnte. Na und wie man das konnte! "Man nimmt uns mit offenen Armen auf", konstatieren die ZDF.reporter, während die versteckte Kamera läuft. Sorgen der vermeintlichen deutschen Millionäre werden vom Tiroler Banker sogleich zerstreut: "Wir sind nicht das Finanzamt."

Das haben sich die Deutschen auch so gedacht, denn sie kommen im Laufe ihrer Undercover-Recherche immer mehr zum Schluss: "Da wird unverhohlen geworben: Kommt nach Tirol, da merkt keiner was." Danke, österreichisches Bankgeheimnis.

Am Schluss wird der Fake aufgelöst. Was dann passiert, beschreibt das ZDF so: "Der Banker darf nichts sagen, der Marketingleiter will nicht, der Vorstand ziert sich." Dann zeigt sich Letzterer doch "überrascht", weil eigentlich hielten sich alle Mitarbeiter ja nur ans Gesetz. 

Von Finanzminister Josef Pröll (VP) würde das ZDF auch gern wissen, warum man in Österreich so leicht Schwarzgeld anlegen kann. Der aber sagt nichts. Da bleibt den Reportern nur ein hämisches, aber treffendes Fazit: "Du glückliches Österreich schweigst." (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 16./17.5.2009)