Alexandra Goldynia ist eine von 53 Wiener Schülern, die im Jugendparlament in die Rolle der Nationalratsabgeordneten schlüpften.

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Wien - Alexandra Goldynia ist die neue Klubchefin der Weißen. Am Freitag sprach ihr die Mehrheit der Abgeordneten das Vertrauen aus. Ihre neue Funktion kommentiert sie im Gespräch mit dem Standard nüchtern: "Irgendwer muss es ja machen."

Alexandra Goldynia ist eine von 53 Wiener Schülern, die an diesem Tag im Rahmen des Jugendparlaments in die Rolle von Nationalratsabgeordneten schlüpften. Sie besucht die 5b des Gymnasiums Fichtnergasse und "redet eh gerne" . Genau das war am Freitag auch Voraussetzung: Anhand einer simulierten Gesetzesvorlage zur Änderung des Schulunterrichtsgesetzes konnten die Schüler den Weg der Bundesgesetzgebung von der Vorlage eines Antrags über die Beratungen in Klub und Ausschuss bis zur Abstimmung im Plenum durchspielen.

Vorab galt es noch einige grundsätzliche Fragen zu klären: "Was macht ein Ausschuss überhaupt?", will einer der weißen Jungabgeordneten wissen. Nach der ersten absolvierten Ausschusssitzung werden die Fragen schon komplexer: "Können Einzelne aus den anderen Fraktionen eigentlich mit uns stimmen?" Da muss Tanja Windbüchler-Souschill auflachen: "Sie könnten, aber sie tun es nicht" erzählt die Grün-Abgeordnete, die den weißen Klub fachlich begleitet, aus eigener Erfahrung.

Für den Tag im Parlament wurden die Schüler im Unterricht vorbereitet, entsprechende Unterlagen stellte das Parlament zur Verfügung. Insgesamt führt das zu einer großen Nachfrage vonseiten der Schulen. Einziger Nachteil: Das Jugendparlament tagt nur zweimal pro Jahr. Die Demokratiewerkstatt hingegen kann von Schülern zwischen acht und 14 Jahren täglich besucht werden. Und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer plant bereits eine Ausweitung des Angebots: "Wir werden ein eigenes Modul für Lehrlinge entwickeln", sagt sie zum Standard, um kurz darauf die Vorsitzführung im Jugendparlament zu übernehmen.

Wie bei den Großen lieferten sich dort auch die Schülerabgeordneten hitzige Wortgefechte, was die Unterrichtsgestaltung oder die Berücksichtigung sozialer und familiärer Hintergründe bei der Notenvergabe anlangt. Ginge es nach den Schülern, würden ab kommenden Herbst die Möglichkeit eines Feedbacks an die Lehrer, eine zusätzliche verbale Benotung sowie die freiwillige Bekanntgabe des familiären Umfeldes geschaffen.

Alexandra Goldynias Resümee ist nach der Abstimmung durchaus positiv: "Es ist gar nicht so schwer, Mehrheiten zu finden, man muss nur kompromissbereit sein" , sagt sie. Übertragen wurde die Debatte übrigens live im Internet - von Journalistenkolleginnen im Schulalter. (Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.5.2009)