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Nikolai Alexejew, Vorsitzender des russischen Homosexuellen-Verbandes, wurde verhaftet.

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Angeblich wurden rund 40 TeilnehmerInnen der Homosexuellen-Demonstration vorübergehend festgenommen.

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Moskau/Wien - Bei einer Kundgebung von Homosexuellen vor dem Eurovision Song Contest in Moskau hat die russische Polizei etwa 40 DemonstrantInnen gewaltsam festgenommen. Teilweise im Würgegriff zwangen die Sicherheitskräfte die TeilnehmerInnen der nicht genehmigten Kundgebung vor der Lomonossow-Universität am Samstag in Busse und einen vergitterten Gefangenenwagen. "Wir sind friedliche Menschen und wollen so leben wie andere auch", rief eine Frau bei ihrer Festnahme. Auch ein US-Bürger sowie ein Brite wurden abgeführt. Im Gegensatz zu früheren Homosexuellen-Kundgebungen wurde offenbar niemand verletzt.

Menschenrechte für Homosexuelle gefordert

Bei der Kundgebung in Moskau hatten DemonstrantInnen Plakate entrollt, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten der Spezialeinheit OMON machten regelrecht Jagd auf die TeilnehmerInnen. Zuvor hatten bereits russische Extremisten gedroht, am Finaltag Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit anzugreifen.

Bei der Kundgebung vor der Universität wurde auch der Vorsitzende des russischen Homosexuellen-Verbands, Nikolai Alexejew, an Händen und Füßen in ein Polizei-Fahrzeug gezerrt. "Wann, wenn nicht jetzt zum Song Contest, sollen wir auf unsere schlimme Lage aufmerksam machen, auf Ausgrenzung, Behördenwillkür und Gewalt", hatte Alexejew der Nachrichtenagentur dpa im Vorfeld der Kundgebung gesagt. Alexejew war im dunklen Anzug gemeinsam mit einem Mann in weißem Brautkleid auf der Kundgebung aufgetreten. Am Sonntag wurde er nach einem mehrstündigen Verhör wieder freigelassen.

Moskau lobt Polizeieinsatz

Die Moskauer Stadtverwaltung bestätigte die Festnahme von 40 AktivistInnen und lobte die Vorgehensweise der Einsatzkräfte. "Die Moskauer Polizei hat angemessen und im Rahmen des Gesetzes gehandelt", hieß es in einer Mitteilung. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hatte frühere Kundgebungen von Schwulen und Lesben als "satanische Handlungen" bezeichnet.

"Die Behörden in Russland sollten friedlich demonstrierende Lesben und Schwule, die für ihre Rechte kämpfen, schützen und nicht im Würgegriff abführen." Das Verbot des Gay Pride durch die Stadt Moskau und die Festnahme der DemonstrantInnen sei "ein Skandal", kritisierte am Samstag die Nationalratsabgeordnete Ulrike Lunacek, Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahlen und Vorsitzende der Europäischen Grünen. Die Politikerin forderte in einer Aussendung Außenminister Michael Spindelegger (V) auf, sich unverzüglich für die Freilassung der Demonstranten einzusetzen.

Peter Traschkowitsch, der Bundesvorsitzende von SoHo (Sozialdemokratie und Homosexualität), zeigte sich in einer SPÖ-Aussendung "äußerst empört und zutiefst getroffen über die brutale Vorgangsweise der russischen Polizei". Er forderte Spindelegger ebenfalls auf, das Vorgehen der russischen Behörden zu verurteilen und die Freilassung der Festgenommenen zu verlangen.

In der russischen Gesellschaft wird das Zurschaustellen von Homosexualität als unmoralisch und verwerflich verurteilt. Auch innerhalb der Schwulen- und Lesbenszene des Landes besteht wenig Bereitschaft zum öffentlichen Auftritt. Nach früheren Kundgebungen wurden die Festgenommenen in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder freigelassen. (APA)