Kritik an der RTL-Reihe "Erwachsen auf Probe" gibt es nun auch seitens österreichischer Institutionen: "Die geplante Sendung stellt ein nicht akzeptables Experiment dar", so die Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP) am Montag. "Was bisher dazu bekannt ist, muss als öffentlicher Kindesmissbrauch qualifiziert werden", erklärte Klaus Vavrik von der heimischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit sowie vom Netzwerk Kinderrechte. Der Sender lädt Journalisten und Kritiker für kommenden Freitag zu einem Screening und einer Diskussion in Köln.

Für Kinder "Stresszustand"

In sieben am 3. Juni startenden Folgen werden Babys und Kleinkinder von ihren Eltern getrennt und vorübergehend Teenager-Paaren in Obhut gegeben. Kinder würden funktionalisiert, kommerziell ausgenützt und könnten sich nicht dagegen wehren, hieß es seitens der ÖGKJP. Babys und Kleinkinder im Alter von sieben bis 14 Monaten befänden sich in Entwicklungsphasen, in denen sie ihre spezifische Bindung an ihre Hauptbezugspersonen etablieren. Werden sie von diesen getrennt und von Fremden betreut, "führt dies zu einem chronischen Stresszustand, einem Gefühl des Verlassenwerdens mit nicht absehbaren Folgen für die weitere emotionalen Entwicklung".

Zusätzlich könnten Kinder eine solche Situation mit ihrer Auffassungsgabe noch nicht verarbeiten: "Damit wird das Vertrauen in die Verlässlichkeit ihrer primären Bezugspersonen erschüttert", so die ÖGKJP. Auch bliebe für die Kleinen unklar, wie lange sie von ihren Eltern getrennt sein werden. Kinderpsychiatrische Einrichtungen seien voll von Betroffenen, bei denen multiple Trennungs- und Verlassenheitserfahrungen zu Persönlichkeitsstörungen geführt hätten.

RTL: "Eignungstest für Jugendliche mit Kinderwunsch"

RTL erklärte, es sei unbestritten, dass in Deutschland die Zahl der Teenager- Mütter und der Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen kontinuierlich zunehme und dass viele Jugendliche nicht "reif" für eine Familiengründung seien. Die Sendung sei "ein Eignungstest für Jugendliche mit Kinderwunsch", bei dem sie Familienkompetenz und Verantwortungsübernahme lernen würden. Es handle sich um die Adaption eines BBC-Formates, "das in Großbritannien demnächst in der 3. Staffel läuft und dort u.a. von Lehrern als Schulungsmaterial benutzt wird". Der Sender lädt am kommenden Freitag zu einem Screening und einer inhaltlichen Diskussion.

Das Sendekonzept stieß schon in Deutschland auf Kritik: So appellierte u. a. die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) an die Verantwortlichen, auf "Programme mit unkalkulierbaren Risiken für die Mitwirkenden zu verzichten". Die Vorsitzende der katholisch orientierten Schwangerenberatung Donum Vitae, Rita Waschbüsch, forderte einen Boykott durch Aufsichtsgremien und Zuschauer. Kritik kam auch von der Kinderkommission des Bundestages, dem Hebammenverband und Psychotherapeutenverbänden sowie vom Deutschen Kinderschutzbund. (APA/dpa)