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Eine Welt von guten Prinzessinnen und bösen Königinnen, in der man alles genau zuordnen kann, gibt es nur im Märchen. In der Realität gibt es Opfer, die Täterinnen sind, Menschen, die auf permanente Unterdrückung irgendwann mit Gewaltfantasien antworten. Ewald Palmetshofer gewann 2005 mit seinem eindringlichen Text Sauschneidn den Retzhofer Literaturpreis. Gemeinsam mit dem Regisseur Dieter Boyer, mit dem der Autor schon zuvor im Rahmen des uniT-Stückentwicklungslabor arbeitete, wurde Sauschneidn nun in Graz, Oberzeiring und Leoben auf die Bühne gebracht.

Die harte Geschichte von einer Schwiegermutter und ihrer Schwiegertochter, die auf einem Bauernhof unter dem tyrannischen Sohn/Ehemann leiden, wechselt zwischen im Dialekt gesprochenen Dialogen der beiden Darstellerinnen Roswitha Soukup und Wiltrud Schreiner und einem in Hochsprache kommentierenden Alter Ego. Dieses spricht die Musikerin Susanna Ridler, sie untermalt die brutalsten Sätze, in denen die Mord- und Kastrationswünsche der Frauen Gestalt annehmen, mit lieblich-gruseligen Elektronikklängen und Gesang. Während man Ridlers Stimme gerne noch ein bisschen länger zuhören möchte, wartet man auf die Erlösung der Schauspielerinnen aus dem immer wieder zu sterilen Regiekorsett.

Dieses lässt die starken Frauenfiguren immer wieder zu blutlosen Textaufsagerinnen werden, die, obwohl völlig voneinander abhängig und aufeinander angewiesen, in endlose Weiten stierend, aneinander vorbeisprechen. Da hilft kein demonstrativ verschmiertes Theaterblut und kein Wasserkübel, in den sich eine saufende Schwiegertochter selbst eintauchen muss. Weniger wäre da mehr. (cms, DER STANDARD/Printausgabe, 19.05.2009)