Die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom hat einem Medienbericht zufolge noch größere Dimensionen als bisher bekannt. Die Konzernsicherheit habe neben der Ausspähung von Telefondaten über Jahre hinweg auch Konten von Mitarbeitern, deren Angehörigen und Dritten durchleuchten lassen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf interne Telekom-Unterlagen und Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bonn. Betroffen waren demnach unter anderem Konten der Deutschen Bank, der Postbank und der Hypo-Vereinsbank. Die Staatsanwaltschaft war am Montag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

"Bitte Kontobewegungen prüfen."

Das Blatt zitierte etwa aus einer E-Mail eines Telekom-Angestellten vom 2. Juni 2005 an die Konzernsicherheit. Darin habe der Mitarbeiter drei Namen und Kontoverbindungen aufgelistet und hinzugefügt: "Bitte Kontobewegungen prüfen." Die Betreffzeile lege nahe, dass es sich um den 67. Fall von Kontenüberprüfungen im Jahr 2005 handelte.

Die Aufträge soll dem Bericht zufolge die Kölner Detektei Argen ausgeführt haben. Eine Durchsuchung der Staatsanwaltschaft bei der Detektei habe gezeigt, dass diese in großem Umfang vertrauliche Kundendaten an die Telekom lieferte. Bei Argen hieß es am Montag, man wolle den Bericht nicht kommentieren. Ein Telekom-Sprecher bestätigte, seit 2000 seien Ermittlungsdienstleistungen an Argen vergeben worden. Was genau dabei beauftragt wurde, wisse man aber nicht.

Aufstellung der Ein- und Ausgänge

Die Detektei soll der Konzernsicherheit dem Zeitungsbericht zufolge etwa eine Mail mit Aufstellung der Ein- und Ausgänge auf dem Postbank-Konto eines Managers von T-Systems geschickt haben. Aufgeführt seien auch der Name seines Steuerberaters, umfangreiche Informationen aus seiner Steuerakte und der Zinssatz, zu dem sein Sparbuch verzinst sei. Nach den Informationen der Zeitung hat die Detektei zwischen 2000 und 2008 insgesamt 1,2 Mio. Euro von der Telekom erhalten.

Die Staatsanwaltschaft Bonn untersucht die Spitzelaffäre bei der Telekom seit Frühjahr 2008. Das Unternehmen soll in den Jahren 2005 und 2006 auf der Suche nach undichten Stellen die Telefonverbindungsdaten unter anderem von Aufsichtsräten, Betriebsratsmitgliedern und Journalisten ausgespäht haben. Die Telekom hatte im Mai 2008 Strafanzeige erstattet, nachdem die Vorgänge intern aufgedeckt worden waren. (APA/AP)