Berlin - Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble sieht eine reale Gefahr für die Sicherheit in Deutschland durch gewaltbereite Islamisten. "Die Bedrohung geht für Deutschland von Islamisten mit Bezug zu unserem Land aus", sagte Schäuble am Dienstag bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2008 in Berlin. Terroristische Ausbildungslager mit Islamisten, die in Deutschland aufgewachsen seien, stellten eine "reale Gefahr für die Sicherheit in Deutschland" dar.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (Inlandsgeheimdienst), Heinz Fromm, sprach von einer neuen Qualität. Deutschland werde gezielt adressiert und sei im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus.

Das deutsche Engagement in Afghanistan ist dem Bericht zufolge verstärkt in den Fokus islamistischer Terroristen gerückt. Besondere Bedeutung messen die Verfassungsschützer einer neuen Gruppe von Terroristen zu, die der zweiten Einwanderergeneration angehören und in Deutschland aufgewachsen sind. Das wichtigste Kommunikations- und Propagandamedium für Islamisten bleibe das Internet.

Im rechtsextremen Spektrum bleibt nach dem Bericht die NPD die wichtigste Akteurin. Bei der Deutschen Volksunion (DVU) verzeichnet der Bericht einen anhaltenden Mitgliederschwund. Die Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten ging zwar leicht auf rund 9500 zurück. Insgesamt erreichten die politisch motivierten Straftaten einen Höchststand. Nach den bereits am 20. April veröffentlichten Zahlen stieg die Zahl rechtsextremistischer Taten um 15,8 Prozent auf 19 894.

Im linksextremen Bereich lagen die Gewalttaten weiter auf hohem Niveau. Zum gewaltbereiten Spektrum zählt der Bericht 6300 Personen, darunter 5800 sogenannte Autonome. Auch die 2008 aus PDS und WASG entstandene Linkspartei taucht im Verfassungsschutzbericht auf. "Ungeachtet ihres ambivalenten Erscheinungsbildes bietet die Partei "Die Linke" weiterhin tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen", heißt es. (APA/dpa)