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Panoptikum teurer Baustellen: der Bürokomplex Wien-Mitte, 830 Millionen für den Vienna Airport, 160 Millionen für die Eurofighter-Zentrale in Zeltweg.

Fotos: Fischer, Newald, APA; Montage: Beigelbeck

Die Kosten für den Ausbau des Vienna Airports und des militärischen Flughafens in Zeltweg sind explodiert. Noch gibt es keine strafrechtlichen Ermittlungen, doch Politiker und Firmen kommen unter Druck.

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Wien/Graz - Zwei Bauprojekte, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, erweisen sich als finanzielle, schwarze Löcher. Der Kostenschub beim Ausbau des Vienna Airports in Schwechat und bei der Eurofighter-bedingten Aufrüstung in Zeltweg wirkt naturgemäß auch wie ein politischer Teilchenbeschleuniger. Oder anders ausgedrückt: Die Opposition geht auf Kollisionskurs.

  • Skylink:Der am Flughafen in Bau befindliche Terminal Skylink sollte ursprünglich 400 Millionen Euro kosten. Bereits im August 2008 war von 657 Millionen die Rede, die jüngste Prognose lautet 830 Millionen Euro. Der Fertigstellungstermin hat sich von ursprünglich Ende 2008 auf 2011 verschoben - der Standard berichtete. Für die FPÖ ist das Skylink-Projekt ein "Milliardengrab" , an dem die rote Stadt Wien und das schwarze Niederösterreich als Beteiligte mitgeschaufelt haben.
  • Fliegerhorst: Auf den Militärflugplatz Zeltweg in der Obersteiermark wiederum haben sich die Grünen eingeschossen. Wegen der Eurofighter-Beschaffung muss der Fliegerhorst ausgebaut werden, die Kosten sind - wie ein interner Revisionsbericht des Verteidigungsministeriums ergab - dramatisch in die Höhe geschossen. Statt der präliminierten 47 Millionen Euro werden die Baukosten auf 160 Millionen Euro steigen.

Das Ministerium hat eine Untersuchungskommission beauftragt. Hinter der exorbitanten Überschreitung des Budgets könnte der Ehrgeiz einiger Militärs stehen, Zeltweg zu einem der modernsten Militärflugplätze Europas auszubauen. Die Grünen wollen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Gerüchte, dass im Zusammenhang mit angeblichen Fehlplanungen bereits strafrechtliche Anzeigen ergangen seien, lassen sich nicht bestätigen. Die Wiener Staatsanwaltschaft hat bisher jedenfalls keine Aufträge verteilt.

Die immer teurer gewordenen Projekte haben einen gemeinsamen fachlichen Nenner: den Architekten und Universitätsprofessor Hans Lechner. Sein Ziviltechnikerunternehmen hat beim Skylink-Terminal die örtliche Bauaufsicht, in Zeltweg ist man Generalplaner des neuen Towers. Die Firma werkt auch bei vielen anderen riesigen Baustellen in Österreich, wie zum Beispiel am mindestens zwei Milliarden Euro teuren Hauptbahnhof Wien mit. Für die genannten Kostenüberschreitungen sei man nicht verantwortlich, weist das Büro in Medien unterstellte Vorwürfe zurück. Aus einem anderen Milliarden-Projekt ist man mittlerweile ausgestiegen: An der Neugestaltung des Bahnhofs Wien-Mitte arbeitet Lechners Büro nicht mehr mit.

Prinzipiell gilt: Wenn ein Ziviltechniker einen Bauaufsicht-Auftrag übernimmt, dann besteht seine Aufgabe darin, die Bauausführung auf Übereinstimmung mit der freigegebenen Planung zu überprüfen. Daneben beauftragt der Eigentümer/Auftraggeber die Planer und die Baufirmen.

Der Ziviltechniker schaut darauf, dass die vorliegenden Pläne auftragsgemäß ausgeführt werden. Werden im Nachhinein, was üblich ist, Änderungen vorgenommen, kosten diese Geld. Wurden die Kosten eventuell im Vorfeld zu niedrig angesetzt, und müssen später nachjustiert werden, so ist das auch nicht unüblich.

Das Büro Lechner hat beim Skylink die örtliche Bauaufsicht. Lechner bekommt die freigegebenen Pläne und hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Umsetzung dieser Pläne funktioniert. Zu Beginn lief alles rund. Die Probleme stellten sich erst später ein. (cr, mue, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2009)