Eine Geschichte in Fortsetzungen...

Wien/Salzburg – Wahrscheinlich hat sich das Kuratorium der Salzburger Festspiele die Suchsituation etwas leichter vorgestellt. In Ruhe wollte man wohl den Dreiervorschlag der Findungskommission studieren und erst dann öffentlich bekannt geben, wer der neue Intendant der Salzburger Festspiele – und damit Nachfolger von Jürgen Flimm – werden würde.

Nun kamen die Namen, erwählt u. a. aus einer 20 Kandidaten umfassenden Bewerberliste, früher heraus. Und das Echo auf den Vorschlag der Findungskommission (unter der Leitung von Brigitte Fassbaender) war einigermaßen ernüchternd. Die Kandidaten, Pierre Audi, Alexander Pereira und Stéphane Lissner, der immerhin, wie sich herausstellte, im Zweierpack mit Dirigent Daniel Barenboim antreten will, wurden als wenig mutige Auswahl kommentiert.

Zudem sind alle Kandidaten an Posten gebunden: Der aus Österreich stammende Pereira (Jahrgang 1947) ist noch bis 2012 als Intendant des Opernhauses Zürich, der 1957 in Beirut geborene Pierre Audi noch bis 2013 als künstlerischer Leiter des Amsterdamer Opernhauses unter Vertrag. Zudem hat er Verpflichtungen als Leiter des Holland Festivals. Und Stéphane Lissner, 1953 in Paris geboren, ist als Intendant der Mailänder Scala bis 2013 gebunden; zusätzlich ist er auch noch bis 2010 Musikchef der Wiener Festwochen. Und Barenboim ist Musikchef an der Staatsoper Berlin.

Jürgen Flimm will gehen

Zumindest von der Papierform her ist dies ein in Salzburg wohlbekanntes Problem: Auch beim Flimm-Vorgänger Peter Ruzicka erwies es sich als eher unpraktisch, dass dieser neben seiner Komponiertätigkeit auch noch die Münchner Biennale betreute. Und immerhin will Noch-Intendant Jürgen Flimm (der in der ersten Phase seiner Salzburger Intendanz auch die Ruhrtriennale betreute) am liebsten schon 2010 weg aus Salzburg, um an der Berliner Staatsoper Intendant zu werden – wohin ihn sein Salzburger Vielleicht-Nachfolger Barenboim geholt hat.

Den Salzburger Festspielsommer 2011 würde das im schlimmsten Fall zur leitungsfreien Zone machen. Ein Neuling, der auch zur Übergangszeit zur Verfügung stünde, täte also Not. Andererseits: Eine entsprechende Klausel vorausgesetzt, kann man ja auch aus bestehenden Verträgen aussteigen.

Zu Redaktionsschluss sickerte durch, dass die Entscheidung vertagt würde. Das Kuratorium wolle, wie bei der Vergabe von Spitzenpositionen eigentlich selbstverständlich, die Kandidaten einem Hearing unterziehen.

Die Konzepte hat Bundestheater-Chef Georg Springer, Mitglied der Findungskommission, hat am Dienstag dem Festspielkuratorium vorgestellt. Die – übrigens nicht gereihten – Kandidaten Pierre Audi, Alexander Pereira und das Duo Lissner/Barenboim befanden sich offenbar nicht in Salzburg. Entscheidung: wohl vertagt. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 20.05.2009