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Finanzkrise und Wirtschaftsabschwung haben die Stahlproduktion in Ländern wie Russland massiv schrumpfen lassen - als Folge geht auch die Nachfrage nach dem Bau neuer Stahlwerke zurück.

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Die satten Auftragspolster im Industrieanlagenbau von Siemens schmelzen dahin. Sind diese erst einmal abgearbeitet, könnte dies auch für die Linzer VAI-Tochter gravierende Einschnitte bedeuten.

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Nach jahrelanger Hausse in der Rohstoff- und Stahlindustrie sind die Eisen- und Stahlproduktion dramatisch eingebrochen. Der Markt für Bergbauinvestitionen wird laut Branchenschätzungen bis 2014 um 200 Mrd. Dollar (148 Mrd. Euro) zurückgehen, jener für Stahlwerk- und Industrieanlagenbau ist bereits um 40 Prozent eingebrochen. "Minimum vierzig Prozent" , gibt Werner Auer, Finanzchef des 2006 von Siemens übernommenen VA-Tech-Industrieanlagenbaus VAI in Linz am Dienstag in einer Pressekonferenz in Moskau offen zu.

"Tote Hose" nennt man diesen Umstand bei VAI in Linz. Die Nervosität steigt. Seit vier Monaten sei kein Auftrag für ein Turn-key-Projekt, also schlüsselfertige Stahlwerke, mit einem Volumen von 100 Millionen Euro aufwärts in die Bücher gekommen, hinzu kommen Stornos und Sistierungen, die man jedoch nicht beziffern will.

Restrukturierung und Kündigungen bei den rund 1500 Beschäftigten in Linz sind, das lassen die Manager der Siemens Industriesparte Metals & Mining Technologies relativ offen durchklingen, nur deshalb noch kein Thema, weil der von der Siemens-Industriesparte in den Rekordjahren 2007 und 2008 erarbeitete Auftragspolster erst abgearbeitet werden muss. Außerdem hat Siemens bei der VA-Tech-Übernahme (2005) eine Jobgarantie bis 2010 abgegeben.

Abzuarbeiten ist ein Auftragsstand mit einem Volumen von 4,1 Milliarden Euro, die insgesamt 515 Projekte umfassen, sagt Jens Wegmann, Chef der Siemens-Division Industry Solutions, das verschaffe ein wenig Luft. Davon entfielen, schätzen Insider, auf VAI in Linz eins bis 1,2 Mrd. Euro, der große Rest sind Elektro- und Automatisierungstechnik und das Geschäft mit Bergbaumaschinen aus dem großen Siemens-Reich. "Sind die abgearbeitet, schaut es finster aus für die Oberösterreicher" , sagt ein Beobachter, der nicht genannt werden will.

So schwarz sehen Wegmann, VAI-Finanzchef Auer und VAI-Chef Richard Pfeiffer für das von Finanzkrise und Wirtschaftsabschwung massiv geschrumpfte Geschäft mit dem Stahlwerksbau naturgemäß nicht. Sie räumen zwar ein, dass man noch keinen Boden sehe, der Rückgang beim Auftragseingang im zweiten Quartal (31. März) des Geschäftsjahres 2009 habe aber "nur" mehr 13 Prozent betragen nach 25 Prozent im ersten Quartal per Ende Dezember.

Die heftig kursierenden Gerüchte, der bayerische Elektromulti sondiere Kaufangebote, wolle sich von der VAI in Linz zumindest teilweise trennen, wehrt Pfeiffer ab. VAI sei fixer Bestandteil der Siemens-Industriesparte. Man hoffe auf den Marktaufschwung in China, Indien und Russland. Als mögliche Interessenten werden unter anderem auch Hitachi und Mitsubishi genannt. Sie haben allerdings wie alle Investoren massive Finanzierungsprobleme. Gut möglich also, dass VAI im nächsten Jahr auf Strangguss, Walzwerke und Direktreduktion geschrumpft wird. (Luise Ungerboeck aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2009)