Wien - Der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana will die Krise, die sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 mit einem Verlust von 15,9 Mio. Euro zu Buche schlug, mit einem Sparprogramm meistern und einen "zweistelligen Millionenbetrag" an Einsparungen umsetzen. Bei einem stabilen Umsatz, einem bedeutend besseren operativen Ergebnis und einem Finanzergebnis auf dem Niveau von 2007/08 (-28,4 Mio. Euro) soll nach Steuern wieder ein "deutlich positives Ergebnis" in der Bilanz stehen, gaben Agrana-Generaldirektor Johann Marihart und Finanzvorstand Walter Grausam bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch den Weg vor.

Einsparungen

Inklusive niedrigerer Rohstoff- und Energiepreise sollten im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 Einsparungen von "weit über 100 Mio. Euro" realisierbar sein, sagte Grausam. Auf der Personalseite werde es keine großen Veränderungen zum Vorjahr geben, zumal weder Kurzarbeit noch Kapazitätskürzungen geplant seien. Kurzfristig werde der Personalstand aber eingefroren, hieß es. Im Durchschnitt beschäftigte die Agrana im abgelaufenen Geschäftsjahr 8.244 Mitarbeiter, um 104 mehr als im Jahr davor.

Das Finanzergebnis, das 2008/09 aufgrund massiver Abwertungen bei den Ostwährungen von -28,4 auf -67,1 Mio. Euro "negativ explodiert" ist, soll sich durch eine Verringerung der Nettofinanzschulden (unter anderem durch die Auszahlung von Restrukturierungserlösen von einem "schönen zweistelligen Millionenbetrag" aus der EU-Zuckermarktordnung) bzw. eine Stabilisierung der osteuropäischen Währungen wieder verbessern. Zudem sollen Lager abgebaut und Synergien zwischen den Segmenten in den Bereichen Einkauf, Verkauf und Logistik die Kapitalbindung der Agrana möglichst gering halten.

Weniger Investitionen

Deutlich zurückgeschraubt werden auch die Investitionen. Investiert soll nur werden, "was unbedingt sein muss", sagte Grausam. Das Investitionsniveau wurde daher weiter auf 50 Mio. Euro zurückgefahren. Wegen der Wirtschaftskrise - und auch nach zwei großen Investitionsjahren - habe die Agrana bereits 2008/09 die Investments auf 75,5 Mio. Euro "planmäßig" zurückgefahren und einige Projekte aufgeschoben.

Trotz des Verlusts zahlt die Agrana den Aktionären für 2008/09 erneut eine Dividende in Höhe von 1,95 Euro je Aktie. "Wir setzten stets auf eine Dividenden-Kontinuität", begründetet Marihart diese Entscheidung. Möglich sei dies aber auch, weil die Eigenkapitalquote im Jahresvergleich bei 41,4 Prozent stabil geblieben sei und die Schulden von 567,7 auf 470,1 Mio. Euro reduziert wurden, sagte der Agrana-Chef.

Bei einer Umsatzsteigerung von 1,89 auf 2,03 Mrd. Euro ist das operative Ergebnis (EBIT) der Agrana im abgelaufenen Geschäftsjahr von 111,4 auf 37,8 Mio. Euro auf ein Drittel eingebrochen. Das Konzernjahresergebnis ist von positiven 63,8 Mio. Euro auf -15,9 Mio. Euro ins Minus gerutscht. 40 Prozent des Umsatzes macht die Agrana mit Zucker, 35 Prozent mit Frucht und 25 Prozent mit Stärke.

Kumulierte Negativereignisse

2008/09 ist laut Marihart "ein Geschäftsjahr mit einer Kulmination von Negativ-Ereignissen" gewesen. Hohe Rohstoffpreise im ersten Halbjahr, um 40 Mio. Euro höhere Energiekosten, ein Rückgang der Apfelsaftkonzentratpreise um 60 Prozent innerhalb eines Jahres, was Lagerabwertungen von mehr als 30 Mio. Euro erforderte, und eine überraschend starke Abwertung von CEE-Währungen haben das Ergebnis belastet. Im zweiten Halbjahr habe zudem die Milch- und Wirtschaftskrise durchgeschlagen, vor allem im technischen Bereich, wo die Agrana Geschäfte mit der Papier- und Bauindustrie macht. Aber: "Das Gröbste liegt schon hinter uns", zeigte sich der Agrana-Vorstanschef optimistisch.

Im Bioethanol-Werk in Pischelsdorf peilt die Agrana heuer ein ausgeglichenes Ergebnis an und 2010/11 "einen deutlichen Überschuss". Nach einem verspäteten Start laufe das Werk seit November 2008 knapp auf Vollauslastung und produziere 190.000 m3 Alkohol. Der Verlust aus dem laufenden Betrieb (von Juni 2008 bis Februar 2009) wurde mit 5,7 Mio. Euro angegeben. Durch den Stillstand in den Monaten März, April und Mai ist ein Verlust von 2,3 Mio. Euro in der Bilanz verbucht worden. (APA)