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Im Villacher Infineon-Werk ist die Auftragslage in der Chip-Produktion um fast zwei Drittel eingebrochen. Zuletzt gab es aber positive Nachrichten über zweistellige Zuwächse bei den Auftragseingängen.

Foto: AP/Uwe Lein

Villach - Mehrmaliger Versuch, die Pressesprecherin von Infineon zu erreichen. Nächste Woche sei sie wieder erreichbar, heißt es. Sie befindet sich wie 1400 andere Mitarbeiter des Villacher Halbleiter-Herstellers in Kurzarbeit. Voraussichtlich bis September.

Die Infineon-Belegschaft ist schon krisenerprobt, denn der Halbleiterbereich ist extrem krisenanfällig. Schon viermal gab es im Villacher Werk Kurzarbeit. Im Vorjahr wurden vorsorglich 270 Leute der Stammbelegschaft in der Fertigung abgebaut. Für sie wurde ein freiwilliges Sozialpaket geschnürt. Doch diesmal ist es eine weltumspannende Krise, die das Villacher Werk besonders hart trifft. "Da müssen wir jetzt durch" , sagt Robert Müllneritsch, Abteilungsleiter im Entwicklungsbereich.

Auch die Stadt Villach hat immer wieder Krisen und Strukturwandel zu verkraften gehabt. Die einst stolze Eisenbahner-Metropole, die in ihren Glanzzeiten bis zu 5000 Eisenbahner beschäftigte, musste sich nach dem Verlust der ÖBB-Zentralen für Kärnten, Steiermark komplett neu orientieren.

Man hoffte zunächst auf die Zellstoff-Industrie. Doch das Zellstoffwerk im Villacher Stadtteil Sankt Magdalen konnte in den 1980er- Jahren mit der globalen Konkurrenz nicht mithalten. Milliarden an Steuergeld, die in das marode Werk gepumpt wurden, konnten dessen Untergang nicht verhindern.

Villach setzte schließlich auf die Elektronik- und Halbleiterindustrie. Heute ist die aus der deutschen Siemens hervorgegangene Infineon Technology AG, die sich in Villach zusätzlich als Forschungs- und Kompetenzzentrum für die Automobilindustrie entwickelt hat, mit insgesamt rund 2400 Mitarbeitern das industrielle Flaggschiff Kärntens.

Anfang 2009 kam es so schlimm wie noch nie: "Uns brach die Auftragslage in der Chip-Fertigung um 65 Prozent ein" , erzählt Müllneritsch, der auch Vorsitzender des Zentralbetriebsrats ist. Umgehend habe man mit dem Vorstand ein eigenes Kurzarbeitsmodell ausgearbeitet. Bei einer Reduktion der Wochenarbeitszeit von 20 Prozent kommen die Kurzarbeiter auf eine Nettolohn-Ersatzrate von 94 Prozent - dank Unterstützung des Arbeitsmarktservice und einer freiwilligen Zuzahlung von Infineon.

Auch das Management und Infineon-Austria-Vorstand Monika Kircher-Kohl leisten ihren Beitrag durch unbezahlten Urlaub, was einer Gehaltskürzung von etwa 15 Prozent gleichkommt. "Das stärkt Unternehmen und Mitarbeiter. Wenn die betriebliche Sozialpartnerschaft funktioniert, ist jede Krise leichter zu durchtauchen" , sagt Arbeiter-Betriebsrat Gerhard Kuchling.

Auch die Stadt Villach spürt die Auswirkungen der globalen Krise: Allein die Kurzarbeit bei Infineon bedeutet für die Stadt ein Minus von 1,2 Millionen Euro. Dazu kommen rund vier Millionen Euro weniger Bundesertragsanteile sowie ein Verlust von 50 Prozent Rendite aus dem Anlagefonds für die verkauften Kelag-Anteile.

Vizebürgermeister Richard Pfeiler (SPÖ) ist dennoch zuversichtlich: "Wir haben uns jetzt die Aktion ,Minus zehn Prozent im Stadthaushalt‘ verordnet." Gespart werde nicht bei Sozialleistungen, auch Bauprojekte wie etwa die neue Villacher Therme oder die Altstadtoffensive werden wie geplant umgesetzt. Pfeiler: "Wir haben immer rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt ." In Zukunft werde sich die Stadt Villach eben verstärkt im Gesundheits- und Kongress-Tourismus positionieren.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich auch Infineon-Chefin Kircher-Kohl. Die vormalige SPÖ-Vizebürgermeisterin berichtete kürzlich von zweistelligen Zuwachsraten bei den Auftragseingängen.

Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach sieht für den Villacher Vorzeigebetrieb wieder Licht: "Ich denke, die Talsohle ist erreicht!"(Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.5.2009)