Gratulation an Heinz-Christian Strache, Andreas Mölzer und ihre Gesinnungsgemeinschaft. Mit den Methoden im EU-Wahlkampf haben es die Blauen geschafft, alle wichtigen Religionsvertreter in diesem Land aus der Reserve zu locken.

Einerseits mit Inseraten im großen Kleinformat sowie in einer bunten Zeitung, die die Welt gern aus Schwarz-Weiß-Sicht erklärt: Da wird das Volk vor einer Mitgliedschaft der Türkei und einem Beitritt Israels gewarnt - wohl wissend, dass weder Ankara noch Jerusalem in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten Teil der Union sein werden. Parallel dazu affichiert die FPÖ „Abendland in Christenhand". Und damit nicht genug, fuchtelt ihr Obmann neuerdings in der Öffentlichkeit auch noch mit einem Kreuz herum.

Das Oberhaupt der muslimischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, wie der Präsident der Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, sahen sich bereits dazu genötigt, diesem islamophoben Treiben und dem Spiel mit dem Antisemitismus entgegenzutreten („faschistische Züge", „Gehetze"). Zu Christi Himmelfahrt forderte jetzt auch Wiens Erzbischof Christoph Schönborn - sonst stets bemüht, bei der Tagespolitik so wenig wie möglich anzustreifen - angesichts der aggressiv-blasphemischen Mittel der Partei Einhalt („Missbrauch").

Doch der bemerkenswerte interreligiöse Schulterschluss wird nichts nützen. Denn leider: Den Blauen ist in Wahlkämpfen nichts heilig. Im Schüren von Ressentiments sind sie einfach unverbesserliche Wiederholungstäter. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2009)