München - Der VfL Wolfsburg schwelgt in Vorfreude auf den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Am Samstag steigt in der deutschen Fußball-Bundesliga das große Finale um den Titel. Wolfsburg geht mit zwei Punkten Vorsprung und der klar besseren Tordifferenz gegenüber den Verfolgern Bayern München und VfB Stuttgart in die Entscheidung. Wolfsburg genügt im Heimspiel daher wohl ein Punkt gegen den UEFA-Cup-Finalisten Werder Bremen, Bayern und Stuttgart müssen im direkten Duell in München auf einen Umfaller der Niedersachsen hoffen.

"Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen großes Selbstvertrauen erarbeitet und mit dem Einzug in die Champions League schon viel erreicht. Aber sie will noch mehr", sagte VfL-Trainer Felix Magath am Donnerstag auf seiner letzten Vereins-Pressekonferenz in Wolfsburg. Magath, der sein zweijähriges Engagement in der VW-Stadt mit einem Titel krönen will, ehe er zu Schalke 04 wechselt, erwartet aber keinen Selbstläufer. "Mir wäre es lieber gewesen, die Bremer als UEFA-Cup-Sieger zu begrüßen. Zufriedene Spieler sind manchmal nicht so leistungsbereit. Unzufriedene sind gefährlicher", sagte der 55-Jährige.

Er führte die 1:2-Niederlage der Bremer gegen Schachtjor Donezk vor allem auf das Fehlen von Diego zurück. Mit der Rückkehr des brasilianischen Stars werde die Mannschaft der beiden österreichischen Teamspieler Sebastian Prödl und Martin Harnik (Prödl dürfte beginnen, Harnik auf der Bank) viel unberechenbarer, glaubt Magath. "Das wird noch einmal eine haarige Partie. Alle müssen noch einmal an die Leistungsgrenze gehen, um zu bestehen", sagte er. Sein Team kann auch auf eine beeindruckende Heimstärke bauen: Wolfsburg ist in der Volkswagen-Arena in dieser Saison noch ungeschlagen und hat 15 der 16 Heimspiele gewonnen.

Magath kann gegen Bremen auf seine Bestbesetzung zurückgreifen, nachdem Kapitän Josue seine Gelbsperre abgesessen hat. Der brasilianische Nationalspieler hatte am Mittwoch bis 2013 verlängert und damit ein Signal gesetzt: Der VfL will auch in der Nach-Magath-Zeit oben mitmischen.

Die Meisterschale kommt jedenfalls am Samstag nach Wolfsburg, die "Wölfe" wollen dafür sorgen, dass die Trophäe auch für mindestens ein Jahr in der Stadt bleibt. Garant dafür sollen Grafite (26 Tore) und Edin Dzeko (25) sein. Der 30-jährige Brasilianer und der 23-jährige Bosnier führen die Torschützenliste an und könnten sich zum erfolgreichsten Sturm-Duo der Bundesliga-Geschichte machen. Mit 51 Treffern fehlen nur zwei Treffer auf den Rekord der Bayern-Torjäger Gerd Müller/Uli Hoeneß, die 1971/72 und 1972/73 zusammen jeweils 53 mal getroffen hatten. "Es geht es um die Mannschaft - und um die Meisterschaft. Dann kommen erst Dzeko und Grafite", erklärte Dzeko, worum es wirklich geht.

Insgeheim hoffen der fast schon entthronte Titelverteidiger Bayern und der 2007-Champion Stuttgart doch noch auf ein Meister-Wunder - die Angst vor einem Scheitern im Millionen-Endspiel um Platz zwei ist aber ungleich größer. Denn die Gefahr, beim Saisonfinale als Verlierer des brisanten "Süd-Gipfels" womöglich auf Rang vier abzustürzen und damit aus den Champions-League-Plätzen zu fallen, ist realer als die Wahrscheinlichkeit eines Wolfsburger Blackouts. "Was in Wolfsburg passiert, ist Casino", bemerkte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der seinen Alptraum klar benannte: "Der UEFA-Cup wäre fatal", sagte der gebürtige Schwabe.

Um im Kampf um die direkte Champions-League-Teilnahme allen Rechenspielen aus dem Weg zu gehen, benötigen die Bayern und Stuttgart in der ausverkauften Allianz Arena einen Sieg. Denn bei jeweils 64 Punkten lauert im Hintergrund die nur einen Zähler schlechtere Berliner Hertha, die beim Karlsruher SC gastiert. "Wir haben die Chance, etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Ich spreche nicht vom Titel, sondern von Platz zwei", sagte Markus Babbel, der seine bisherige Arbeit als Stuttgart-Teamchef ohne Trainerschein ausgerechnet in seiner Heimatstadt München krönen würde.

Für die Bayern wäre Rang zwei höchstens ein Trostpreis im Jahr des gescheiterten Klinsmann-Experimentes. "Mit der Champions-League-Qualifikation hätten wir ein wichtiges Ziel erreicht", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Jupp Heynckes würde mit einem Sieg seine Fünf-Spiele-Mission zu einem akzeptablen Ende führen. An mehr mag der 64-Jährige, der danach in die Frührente zurückkehrt, nicht glauben: "Alle Trümpfe liegen bei Wolfsburg. Allerdings schlug der Fußball schon die tollsten Kapriolen", sagte Heynckes. "Bayern ist schon einige Male auf den letzten Drücker Meister geworden - nichts ist unmöglich", bemerkte Kapitän Mark van Bommel.

Stürmer Lukas Podolski dürfte nach drei insgesamt schlechten Jahren in München mit einem warmen Applaus verabschiedet werden. Gellende Pfiffe erwarten dagegen der VfB-Schlussmann und frühere Kahn-Rivale Jens Lehmann. Im Fokus steht zudem der 23-fache Saisontorschütze Mario Gomez, der beim Rekordmeister weiter auf der Wunschliste steht und die Münchner aus allen Meister-Träumen schießen könnte. "Es wird ein richtiges Endspiel", sagte Gomez, der selbstbewusst einen 2:1-Sieg getippt hat - in seinem womöglich letzten Spiel für den VfB.

Ümit Korkmaz trifft zum Saisonabschluss mit Eintracht Frankfurt und dem scheidenden Trainer Friedhelm Funkel daheim auf den Hamburger SV, auch Andreas Ibertsberger dürfte auswärts gegen Schalke in der Anfangsformation von Hoffenheim stehen. (APA/dpa)