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AvW-Chef Wolfgang Auer-Welsbach kommt nicht aus den Kalamitäten heraus.

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Wien - Neues Ungemach für die börsennotierte Kärntner Betei-ligungsgruppe AvW Invest AG. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA hat am 22. April eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen den Vorstand der Krumpendorfer Gesellschaft eingebracht. Es geht um den Verdacht auf Verstoß gegen § 255 Aktiengesetz, genauer um den Vorwurf der "unrichtigen Darstellung des Unternehmens in einer öffentlichen Bekanntmachung" (dafür drohen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr).

Die Anzeige bezieht sich auf Ad-hoc-Meldungen der AvW Invest AG im Vorjahr. Im Vorstand waren damals Wolfgang Auer-Welsbach und seine Frau, Maria Auer-Welsbach (es gilt selbstredend die Unschuldsvermutung), am 1. April 2009 kam Arnulf Komposch dazu.

Laut Anzeige hat die Gesellschaft (rund 26 Prozent stehen im Streubesitz, der Rest gehört der AvW Gruppe AG) am 13. Mai 2008 ad hoc eine Gewinnsteigerungsmeldung für das restliche Jahr 2008 gemeldet: "Die Gesellschaft geht von einem neuen Rekordergebnis für 2008 aus."

Vier Monate später, am 17. September 2008 (zwei Tage nach dem Fall von Lehman Brothers in den USA; Anm.), sei diese Gewinnerwartung bekräftigt worden. Ad hoc hieß es, dass "der höchste Gewinn in der Unternehmensgeschichte erwartet wird" und dass AvW Invest AG "unabhängig von den schweren Turbulenzen am Finanzmarkt ihre Gewinnprognosen beibehält" . Diese Aussagen seien laut Anzeige getätigt worden, obwohl die Aktien an der Wiener Börse "schon Mitte September ein Drittel ihres Werts eingebüßt" hatten.

Verschwiegene Verhältnisse

Die Vorwürfe kommen noch dicker: "Die Tatsache, dass es sich bei der Finanzkrise um eine Entwicklung handelte, die das Risiko der von der AvW Invest AG abgeschlossenen Optionsverträge drastisch vergrößerte, wurde von der AvW Invest AG in ihrer Ad-hoc-Meldung vom 17. 9. mit keinem Wort erwähnt. Ganz im Gegenteil wurde sogar ausgeführt, dass die aktuellen Probleme auf den Finanzmärkten die AvW Invest AG nicht betreffen" . Die Schlussfolgerung der Anzeiger: "Es besteht daher der Verdacht, dass die Mitglieder des Vorstands der AvW Invest AG mit der Ad-hoc-Meldung vom 17. 9. 2008 den Tatbestand des § 255 Aktiengesetz erfüllt haben, indem sie in dieser Ad-hoc-Meldung die Verhältnisse der Gesellschaft nicht richtig wiedergegeben bzw. verschwiegen haben."

Auch die Ad-hoc-Meldung vom 17. Oktober 2008, in der die Anleger von den Transaktionen des AvW-Prokuristen informiert wurden (ihn macht Auer-Welsbach für Verluste aus angeblich ungenehmigten Deals verantwortlich) wird thematisiert. "Die börsennotierte AvW Invest AG ist von diesen Transaktionen nicht betroffen" , schrieb das Unternehmen damals - "dies, obwohl AvW Invest AG wie AvW Gruppe AG spätestens Mitte Oktober durch das Eingehen von Short-Put-Optionen über keine Bardeckung mehr verfügte" , wird nun in der Anzeige argumentiert. Vereinfacht ausgedrückt, hatte man damals aus Optiongeschäften die Verpflichtung, Wertpapiere zu bestimmten Bedingungen abzunehmen. Bares war laut Anzeige also nicht mehr da, und über ihre Beteiligungen (wie S&T oder Hirsch Servo) habe AvW Invest nicht mehr verfügen können, denn "zur Absicherung diverser Optionsgeschäfte hatte die AvW Invest AG ihre Beteiligungen zur Gänze zu Gunsten der Capital Bank verpfändet ... und dies bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt als dem 17. 9. 2008" , ist in der Anzeige zu lesen.

"Äußerst risikoreich"

Auch beim Thema Risiko kommt die Gruppe um Auer-Welsbach (es laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs; auch da gilt die Unschuldsvermutung) schlecht weg. "Die äußerst risikoreiche Veranlagungspolitik sowohl der börsennotierten AvW Invest AG als auch der Muttergesellschaft AvW Gruppe AG ... war dem Anlegerpublikum nicht bekannt" , schreiben die Anzeiger.

Stellungnahmen zur Causa waren am Freitag nicht zu bekommen. Die FMA kommentiert laut ihremSprecher "laufende Ermittlungen nicht" , und der Anwalt von Wolfgang Auer-Welsbach, Franz Großmann, kann noch nichts dazu sagen, "denn diese Anzeige ist uns völlig unbekannt". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.5.2009)