Innsbruck - Mehr als 200-mal, konkret 203-mal, sind Beträge von 50.000 Euro auf ein Konto der Raika Waidring eingezahlt worden. Eine eher unübliche Summe für den knapp 2000 Einwohner zählenden Tourismusort am Fuße der Loferer Berge. Schließlich schlug ein verantwortungsbewusster Bankbeamter Alarm. Das sei bei Überweisungsbeträgen dieser Größenordnung durchaus üblich. Die verdächtigen Konten wurden daraufhin eingefroren. So flog Ende Februar ein internationaler Betrugsfall auf.

Der mutmaßlichen Täter, ein Belgier, hätte sich ganz bewusst eine kleine, abgelegene Bank ausgesucht, um dort seine Millionen zu deponieren, heißt es von den Ermittlern. Internationale Erhebungen von Wirtschaftspolizei und Bundeskriminalamt in den Niederlanden ergaben, dass das Geld aus Mitteln des "Fonds voor Beeldende Kunsten Vormgeving en Bouwkunst", einem niederländischen Fonds für bildende Künste, sei. Dieser vergebe Unterstützungsgelder direkt vom niederländischen Kunstministerium an förderungswürdige Künstler.

Ermittlungen des Bundeskriminalamtes ergaben weiter, dass das Geld "für einen Künstler" bestimmt gewesen war. Das Geld sei offenbar aber dann vom Finanzdirektor eines Kulturfonds, Clemens K. "zur Seite geräumt" worden, anstatt es an förderungswürdige niederländische Künstler weiterzu-geben.

Internationaler Haftbefehl 

Laut Plan sollte das Geld dann offenbar von drei deutschen Staatsbürgern in Tirol über die Raika Waidring "reingewaschen" werden. Gegen diese Geldwäscher ermittelt nun die Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Insgesamt geht es um mehr als zehn Millionen Euro, die der niederländische Manager in Österreich durch deutsche Staatsbürger reinwaschen wollte. Das veruntreute Geld wurde mittlerweile sichergestellt, der Betrüger wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. (Verena Langegger, DER STANDARD - Printausgabe, 23./24. Mai 2009)