Washington - Die US-Regierung hat Kuba die Wiederaufnahme der vor fünf Jahren ausgesetzten Gespräche über eine Zusammenarbeit bei der Steuerung der Einwanderung angeboten. Das Offert sei kubanischen Diplomaten bei einem Treffen in Washington unterbreitet worden, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Freitag. Über die Reaktion der kubanischen Regierung sei ihr nichts bekannt. Beobachter werteten den Schritt als weiteren Versuch von US-Präsident Barack Obama, das seit Jahrzehnten gespannte Verhältnis zu dem Karibikstaat zu entspannen.

Massenfluchten

Die Gespräche über die Umsetzung des 1995 geschlossenen Abkommens waren 2004 von der Regierung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgesetzt worden. Die Vereinbarung soll Massenfluchten von Kubanern in die USA auf dem Seeweg verhindern, wie es sie in den 80er Jahren und erneut 1994 gab. Dazu vereinbarten beide Länder, von den US-Behörden auf dem Meer abgefangene Flüchtlinge zurück nach Kuba zu schicken. Außerdem verpflichtete sich Kuba, illegale Auswanderungsversuche in die Vereinigten Staaten zu unterbinden. Die USA sagten zu, durch die jährliche Erteilung von mindestens 20.000 Visa an Kubaner legale Einwanderungsmöglichkeiten zu schaffen. Den Abbruch der Gespräche vor fünf Jahren hatten die USA damit begründet, dass Kuba sich weigere, über Kernfragen wie die Erteilung von Ausreisegenehmigungen für alle Empfänger von US-Visa zu sprechen.

Exil-Kubaner in den USA reagierten gemischt auf die Ankündigung neuer Verhandlungen über das Abkommen. Drei Kongressabgeordnete kubanischer Herkunft kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung das Gesprächsangebot als "ein weiteres einseitiges Zugeständnis der Regierung Obama an die Diktatur". Andere Vertreter der kubanischen Exilgemeinde begrüßten es als Schritt zu einer Verbesserung der Beziehungen. (APA/Reuters)