Bratislava - Der Erzbischof von Trnava, Jan Sokol, soll in den 1990er Jahren mehr als 500 Millionen Kronen (16 Mio. Euro) veruntreut haben. Sokol habe das aus dem Verkauf von Kirchengrundstücken stammende Geld auf das Konto eines früheren Mitarbeiters der kommunistischen Geheimpolizei, Stefan Nahlik überwiesen, berichtete die konservative Wochenzeitung "Tyzden.sk". Nahlik lebt demnach in Kanada.

Ein Sprecher der slowakischen Bischofskonferenz sprach von "schwerwiegenden Informationen". "Sollten sie bestätigt werden, würde es sich um ein außerordentliches Versagen von Jan Sokol handeln", sagte Jozef Kovacik. Er wies darauf hin, dass die zuständigen Behörden in der Slowakei und im Vatikan den Fall bereits untersuchen würden. Seinen Informationen zufolge ist für alle Transaktionen, die den Wert von 232.000 Euro übersteigen, eine Zustimmung der Bischofskonferenz erforderlich. Liegt der Wert über 1,7 Millionen Euro, muss sogar der Vatikan zustimmen.

Jan Sokol war im April nach 21 Jahren als Bischof aus Altersgründen in Pension gegangen. Er gehörte in der Slowakei zu den umstrittenen kirchlichen Würdenträgern wegen seiner offenen Sympathien mit nationalistischen Gruppierungen. Die Medien warfen ihm oft vor, er habe mit dem kommunistischen Geheimdienst zusammengearbeitet. Die Bischofskonferenz hat ihn bisher gegen diese Vorwürfe verteidigt. (APA)