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Die "Bild"-Zeitung behauptet, Minister Guttenberg habe erstmals eine Zerschlagung von Opel ins Spiel gebracht.

Foto: Reuters/Kopzynski

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Grafik: APA

Berlin/Rüsselsheim/Turin - Einen Tag vor der Entscheidung über die Zukunft von Opel sind nun auch Chinesen ins Rennen eingestiegen. Tagsüber haben die drei bisherigen Bieter noch einmal bei der deutschen Spitzenpolitik für ihre Konzepte geworben. Fiat-Chef Sergio Marchionne traf mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zusammen. Zudem sprachen die Bieter Magna/Sberbank und RHJ International in Rüsselsheim mit den europäischen Opel-Betriebsräten.

Überraschung dann am Abend: Das Wirtschaftsministerium bestätigte, dass von Daimler-Partner Bejing Automotive Industry Corp (BAIC) eine Interessenbekundung vorliege. Angeblich sieht das Angebot Garantien für alle deutschen Standorte für zwei Jahre vor - und, entgegen anderen Konzepten, keinen Jobabbau in Deutschland. BAIC wolle Opel zu einem "globalen Autobauer ausbauen", hieß es aus dem Umfeld der BAIC.

Am Mittwochabend soll die Entscheidung fallen, ob die Zukunft von Opel mit einem Investor gesichert werden soll und ob die deutsche Regierung dafür Staatsgelder zur Verfügung stellt. Andernfalls droht Opel wie dem Mutterkonzern General Motors die Insolvenz. Die entscheidende Gesprächsrunde beginnt erst gegen 20 Uhr im Kanzleramt in Berlin.

An der Sitzung im Kanzleramt sollen auch hochrangige Vertreter der drei Bieter und von General Motors (GM), dem Opel-Mutterkonzern, teilnehmen. Ab Donnerstag wird dann mit einem Insolvenzantrag von GM in den USA nach Chapter 11 gerechnet.

Bis dahin müssen die Gläubiger des einst weltgrößten Autobauers entschieden haben, ob sie auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten und GM damit die Rettung ohne Insolvenz ermöglichen. Die endgültige Entscheidung über den Opel-Investor liegt bei GM und deren Großgläubigerin, der US-Regierung. Die Interessenten haben sich für ihr Engagement bei Opel staatliche Garantien ausbedungen, über die wiederum die Berliner Regierung entscheidet. Unterdessen ging in der großen Koalition der (wahlkampfinduzierte) Streit zwischen Unionsparteien und SPD weiter, ob eine "geordnete Insolvenz" Opels als eine Möglichkeit weiter in Betracht kommen könne.

Sensibler Akt

Bundeskanzlerin und Wirtschaftsminister wiesen wiederholt darauf hin, dass die US-Seite das letzte Wort habe. Man erwartet, dass die Deutschen den Amerikanern zwar ihre Präferenzen deutlich machen, aber keines der Konzepte für Opel völlig ausschließen. Für Berlin ist wichtig, Opel rechtzeitig vor einer Insolvenz GMs aus dem US-Konzern herauszulösen. Dafür sollen bis Mittwoch eine Brückenfinanzierung über 1,5 Mrd. Euro und ein Treuhandmodell geschaffen werden. Die CSU warnte jedoch vor zu kostspieliger staatlicher Hilfe.

Auch beim US-Autobauer Chrysler geht es noch in dieser Woche um alles oder nichts. Unmittelbar nach einer Anhörung vor dem New Yorker Insolvenzgericht am Mittwoch soll die Entscheidung über den zur Rettung geplanten Verkauf an den italienischen Fiat-Konzern fallen. Der Ausgang gilt auch als Testlauf für GM.

Widerstand gegen den Einstieg von Fiat kommt unter anderem von einigen Händlern und Zulieferern Chryslers sowie von finanziell engagierten Pensionsfonds. Sie wollen mehr herausholen als bisher vorgesehen. Experten rechnen mit grünem Licht für den Neustart des drittgrößten US-Autobauers. (red/Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.5.2009)