Bild nicht mehr verfügbar.

Cristiano Ronaldo, Sohn eines Gärtners und einer Köchin.

Foto: Alex Livesey/Getty Images

Bild nicht mehr verfügbar.

Lionel Messi, Sohn eines Stahlarbeiters und einer Putzfrau.

Foto: Clive Rose/Getty Images

Rom - "Ich könnte das Finale nicht ohne meine Mannschaft gewinnen" , sagte der eine. "Zwei Mannschaften, nicht zwei Spieler kicken um die Krone" , sagt der andere. Und doch dreht sich in Rom heute alles um Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Sogar Sir Alex Ferguson, der Teammanager Manchester Uniteds, das als erstes Team seit Einführung des Bewerbs (1992) den Titel verteidigen könnte, verzichtet auf jegliche Parteilichkeit und Zurückhaltung: "Die beiden wurden bei ihrer Geburt beschenkt."

Viel mehr als Talent und Willenskraft lag allerdings nicht in der Wiege. Dem 24-jährigen Portugiesen Ronaldo und dem 21-jährigen Argentinier Messi ist ein atemberaubender Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen gemein.

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro, der Sohn des Gärtners José Dinis und der Köchin Maria Dolores, ist nach US-Präsident Ronald Reagan benannt, dem Lieblingsschauspieler seines Vaters. Ronaldos Jugendhaus in Funchal auf der Blumeninsel Madeira wurde als "Schandfleck der Stadt" abgerissen, bevor er berühmt war. Die Eltern hatten oft die Waschmaschine unter die Decke gehängt, um Platz für Cristiano und die drei Geschwister zu schaffen.

Mit elf Jahren ging Ronaldo ins Jugendinternat von Sporting Lissabon, in dem auch Luís Figo groß wurde. Er wurde als Provinzling gehänselt, prügelte sich häufig und biss sich durch. Nach einem Testspiel gegen Sporting überredeten United-Spieler, die gegen Ronaldo wie Stümper ausgesehen hatten, Teammanager Ferguson noch im Flieger, den Wunderknaben zu verpflichten - der Beginn einer schillernden Karriere.

Messi litt in seiner Kindheit unter seiner Kleinwüchsigkeit, die dann paradoxerweise seinen rasanten Aufstieg auslöste. Sein Vater, ein Stahlarbeiter, konnte das Geld für die teure Hormonbehandlung nicht mehr aufbringen. Die Wirtschaftskrise in Argentinien beseitigte letzte Zweifel, und 2000 flüchtete die sechsköpfige Familie nach Barcelona. Klein Lionel, gerade 13 Jahre alt und 1,40 Meter groß, war die Hoffnung der Messis auf eine bessere Zukunft. Die Rechnung ging auf. Barças Nachwuchscoach Carlos Rexach setzte nach Messis Probetraining einen Vertrag auf einer Serviette auf, damit kein Klub den Katalanen mehr zuvorkommen konnte.

Die vier Jahre lang dauernde Hormonbehandlung in Form von täglichen Spitzen in beide Beine gab's umsonst dazu. Heute ist Messis Ablösesumme auf 150 Millionen Euro festgeschrieben.

Wer von beiden der bessere Fußballer ist, liegt im Auge des Betrachters. Der muskulöse Ronaldo, dessen Schusstechnik den Ball oft in eine scheinbar physikalisch unmögliche Flugbahn befördert, ist ohne Frage die schillerndere Persönlichkeit. Seine Gesten, seine Rituale vor der Ausführung eines Freistoßes wirken theatralisch, obwohl ihm Ferguson viele Flausen schon ausgetrieben hat. Ronaldo ist dafür dankbar. "Ferguson ist wie ein Vater für mich."

Messi, mittlerweile fast 1,70 Meter groß, ist nicht so robust und schussgewaltig wie Ronaldo, kommt aber mit weniger Allüren aus und ist wohl noch schwerer vom Ball zu trennen. Sein großer Landsmann Diego Maradona beschrieb sein Spiel so: "Es ist fantastisch. Der Ball ist Teil seines Körpers." (sid, fri - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.5. 2009)