Wenn die ungarische Wirtschaft kränkelt, trifft das auch Österreich. Seit den Privatisierungen in den 1990er-Jahren haben sich österreichische Unternehmer als zweitgrößte Investoren (hinter Deutschland) auf dem ungarischen Markt behaupten können und insgesamt rund 7,7 Milliarden Euro in das Land gesteckt.

Mit der Wirtschaftskrise kam der Totaleinbruch: 2009 gab es laut der Ungarischen Investitions- und Handelsförderungsagentur (ITD) überhaupt keine Direktinvestitionen aus Österreich. 2008 kamen noch rund 900 Millionen Euro; das war beinahe ein Viertel aller Direktinvestitionen in Ungarn. "Die Firmen haben Pläne, aber die Entscheidung, aktiv zu werden, will derzeit niemand treffen" , sagt ITD-Chef Györgyi Rétfalvi. Auch im Außenhandel herrscht Abhängigkeit, Österreich ist der drittwichtigste Handelspartner Ungarns.

Verflochten ist schließlich auch der Finanzsektor. Raiffeisen, Erste Bank Hungary und die Bank-Austria-Mutter UniCredit zählen zu den acht größten Banken in Ungarn. Ein Kernproblem des Finanzsektors ist die Verteuerung des Forint, was Fremdwährungsschuldner in Turbulenzen bringt. Zwischenzeitlich verteuerten sich die Kredite um über 20 Prozent.

Laut der ungarischen Bankaufsicht haben bisher 20.000 Kreditnehmer um Hilfe angesucht und mit den Banken eine Umwandlung ihrer Kredite in Forint oder eine Stundung vereinbart. Wie Premier Gordon Bajnai im Standard ankündigte, will die Regierung Schuldnern, denen der Verlust ihres Heimes droht, mit weiteren Maßnahmen helfen. (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2009)