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Maria Fekter.

Foto: AP/Zak

Fußballspiele und Politikerinterviews bergen eine hohe Kunst. In mediokren Ligen kann ein einzelner Akteur wie Austria-Wien-Kicker Milenko Acimovic sein Team per genialer Einzelaktion zum Cup-Sieg treten oder eben abschießen.

Ob Acimovic oder Innenministerin Maria Fekter: Beide müssen ihr Talent sofort abrufen, wenn es gilt, das in sie gesetzte Vertrauen per Leistung zu bestätigen. Für Politiker sind solche entscheidenden Szenen auch Auftritte in der ZiB 2.

"Derzeit laufen die Ermittlungen in diesem Fall auf Hochtouren", versuchte Fekter am Dienstag die Wogen nach dem tödlichen Anschlag auf Sikh-Guru Sant Rama Nand zu glätten.

Das klingt wie ein herzhaft getretenes Eigentor. Immerhin spricht die Ministerin ihrem Team ab, bei allen Aufgaben mit Vollgas bei der Sache zu sein. Klar, nach Fekters "gegenseitige Provokationen"-Sager zu Nazi-Parolen skandierender Jugendlicher in Ebensee ist das ein Lercherlschas.

Aber es lässt die Umsichtigkeit vermissen, die politische Spielmacher auszeichnet. Und wer Exekutivbeamte kennt, weiß, wie sehr sie sich über solche Aussagen ihres "Kapitäns" freuen. Dabei berief sich die Ministerin auf ihr gesamtes Team: "Wir haben in diesem Land Religions- und Meinungsfreiheit im Verfassungsrang und sind dazu da, diese zu schützen."

Eine vollmundige Ansage der Innenministerin, vor allem wenn man die derzeitige Angst-Kampagne der FPÖ oder die unsachliche Diskussion um den Ausbau eines Gebetszentrums in Wien-Brigittenau bedenkt.

Live-Interviews tragen viel zur Glaubwürdigkeit von Politikern bei. Die Verfassung nur dort zu bemühen, wo es gerade passt, ist kein Cup-Sieg für eine Spielerin im Regierungsteam. (Georg Horvath/DER STANDARD; Printausgabe, 27.5.2009)