Wien - 91 Millionen Euro Gewinnrückgang bei den Stadtwerken - das klingt nach einer großen Summe, sei aber kein Grund zur Sorge, beruhigten am Dienstag Stadtwerke-Generaldirektorin Gabriele Payr und Finanzstadträtin Renate Brauner (SP). Denn die Summe resultiere hauptsächlich aus der Abwertung von Aktien, in denen die Pensionsgelder für die Mitarbeiter veranlagt wurden - und die Wirtschaftskrise "macht eben nicht vor der Tür der Stadtwerke halt", sagte Brauner. Der verringerte Wert zum Stichtag 31. 12. 2008 spiegle sich zwar in der Bilanz wider. Da die Stadtwerke aber keine Liquiditätsprobleme hätten, sei an einen Verkauf nicht einmal gedacht, betonte Payr. Abgesehen davon hätten sich die Aktien mittlerweile wieder erholt, das Minus habe sich um 30 Millionen reduziert.

Diese Erklärung hielt die Volkspartei nicht davon ab, am Dienstag erneut eine Sondersitzung des Finanzausschusses im Gemeinderat zu fordern. "Dieses Desaster bei den Stadtwerken schreit nach Konsequenzen", befand VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter: "Das Management war offenbar überfordert und hat in bester Heuschrecken-Manier Geld der Wiener Steuerzahler verzockt." Die Grünen schlagen in die gleiche Kerbe, für ihren Budgetsprecher Martin Margulies steht "der Einberufung einer Sondersitzung des Finanzausschusses nun nichts im Wege".

Für Bürgermeister Michael Häupl (SP) ist die Kritik der Oppositionsparteien „absurd". Die schwarz-blaue Regierung habe die Stadt „gezwungen", die Pensionsvorsorge teilweise mit Aktien zu bestreiten. Auch für Brauner "grenzt das an Lächerlichkeit". Dass die fehlenden Millionen in der Bilanz Konsequenzen für die Wiener haben könnten, schlossen sowohl die Finanzstadträtin als auch Generaldirektorin Payr kategorisch aus. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.5.2009)