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Hat die Opel-Zukunft in der Hand: der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Er sagt, welcher Übernahmeplan Staatsgarantien bekommen soll.

Foto: AP/Michael Sohn

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Grafik: APA

Der US-Autohersteller General Motors macht nach 80 Jahren den Weg für seine deutsche Tochterfirma Opel in die Arme eines neuen Investors frei. Kurz vor einem Gipfel im deutschen Kanzleramt in Berlin beschloss der von GMbesetzte Aufsichtsrat am Mittwoch die Übertragung seiner Werke in Europa sowie der Rechte und Patente direkt auf die deutsche Adam Opel GmbH. Dies bestätigte der Betriebsratschef des Autoherstellers, der auch im Aufsichtsrat sitzt, am Mittwoch.

Vor dem Opel-Gipfel hatte ein Regierungssprecher die Erwartungen gedämpft, dass sich die Politik auf einen Investor festlege.

 

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Berlin/Detroit/Wien - General Motors fährt geradeaus auf ein Insolvenzverfahren zu: Der größte US-Autobauer und Nocheigentümer des deutschen Autobauers Opel scheiterte am Mittwoch mit seinem Angebot an die Gläubiger. Diese hätten außerhalb eines regulierten Entschuldungsverfahrens auf Milliarden Dollar an Schulden verzichten sollen. Und lehnten ab.

Der Hersteller steht bei den Gläubigern mit rund 27 Milliarden Dollar in der Kreide und hatte ihnen im Tausch zehn Prozent an einem neuen GM-Konzern angeboten.

Am kommenden Montag läuft ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für einen tragfähigen GM-Rettungsplan ab. Spätestens dann wird die Insolvenz erwartet. Das also so gut wie fest stehende Verfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts dürfte das bei weitem komplizierteste und bisher in seiner Art größte in der US-Wirtschaftsgeschichte werden. Die Vorbereitungen dafür laufen in Washington und Detroit seit Wochen auf Hochtouren, ohne dass man zu viel in die Öffentlichkeit dringen lassen wollte - um GM-Kunden und Aktionäre nicht noch weiter zu verunsichern.

Der 1908 gegründete US-Autohersteller soll dabei laut amerikanischen Medienberichten nun sogar zu rund 70 Prozent vom Staat übernommen werden. Ursprünglich waren 50 Prozent geplant, nun fallen aber die Gläubiger aus, deren Schulden in Anteile umgewandelt werden hätten sollen.

Die Regierung werde erneut Hilfen von rund 50 Milliarden Dollar (36,0 Mrd. Euro) in GM pumpen, fast 20 Mrd. Dollar an Notfallskrediten sind bereits geflossen. In den USA nennt man GM deswegen "Government Motors" . Die Gewerkschaft UAW (United Auto Workers) soll nun für massive Zugeständnisse - vor allem was die Gesundheitsversorgung und die Pensionszahlungen von Mitarbeitern betrifft - laut Berichten mehr Geld und im Gegenzug einen viel kleineren GM-Anteil als geplant bekommen.

Die Beteiligung der UAW soll 17,5 Prozent betragen plus eine Option zur Aufstockung auf insgesamt 20 Prozent der Stammaktien - statt bisher vorgesehener 39 Prozent. Die knapp 60.000 UAW-Mitglieder sollen bis Donnerstag darüber abstimmen. Erste Anzeichen deuteten auf ein Ja der Arbeitnehmer hin.

Ein Nein der Gläubiger hatte auch Wettbewerber Chrysler vor rund vier Wochen in die Insolvenz getrieben. Fiat steht dort vor einem Einstieg.

Berliner Gipfel

Ob der italienische Konzern auch die europäische GM-Tochter Opel übernehmen kann, oder ob doch dem Favoritenkonsortium Magna/Sberbank der Vorzug gegeben wird, entscheidet sich auch auf politischer Ebene - nämlich in Berlin.

Am Mittwochabend trafen im dortigen Kanzleramt Vertreter Opels, GMs auf die Spitzen der deutschen Regierung. Zuvor soll GM Opel noch frei gegeben haben und alle Vermögensrechte - Werke, Patente und ähnliches - lastenfrei an die deutsche Tochter überschrieben haben, berichtete die Financial Times Deutschland.

Vor Beginn der Verhandlungen (und zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe) sagte der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, er habe weitere Zugeständnisse von den Opel-Interessenten Fiat und Magna gefordert. Es seien noch erhebliche Nachbesserungen des italienischen Autobauers und des kanadisch Zulieferers nötig, bevor die Bundesregierung entscheiden können, welchen Interessenten sie die notwendigen staatlichen Garantien und Haftungen zukommen lassen würde. Zugleich hatte er die Erwartungen an den Opel-Gipfel im Kanzleramt am Mittwochabend eher zu dämpfen versucht, eine endgültige Einigung auf einen Investor werde auf sich warten lassen. Auf eine "Treuhandlösung" (die temporäre Übernahme der GM-Anteile durch einen von der Regierung beauftragten Wirtschaftstreuhänder) und einen Überbrückungskredit für Opel wollte man sich aber einigen.

Das Angebot des kurzfristig in das Bieterrennen eingestiegenen chinesischen Autobauers BAIC - des vierten neben Magna, Fiat und dem US-Investor Ripplewood (siehe Fragen und Antworten unten) bezeichnete Guttenberg als "noch ausbaufähig" . Es habe bisher nur einen Umfang von zwei Seiten gehabt.

Das hessische Finanzministerium sieht Magna als Favoriten. "Der Abstand zwischen den Investorenvorstellungen und unseren Vorstellungen ist bei Magna bei weitem geringer als bei allen übrigen Bewerbern" , sagte ein Staatssekretär des CDU-Ministeriums. (Reuters, dpa, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2009)