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Die CSSD-Spitze im Eierhagel

Foto: Reuters/Petr Josek

Prag - Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus hat am Mittwoch im Zusammenhang mit den zunehmenden Eier-Attacken gegen Wahlkampfveranstaltungen der Sozialdemokraten (CSSD) und ihren Chef Jiri Paroubek einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit gerichtet. Er sei "bestürzt" über diese "Ausbrüche der Gewalt, des Hasses und der Intoleranz", betonte Klaus. Es handle sich um eine "beispiellose Attacke gegen die elementaren Prinzipien eines demokratischen Wettbewerbs der politischen Parteien".

Es könnte "fatale Folgen" für die tschechische Gesellschaft haben, wenn man sich nicht eindeutig gegen diese Gewalt-Ausbrüche stelle. Man sollte nicht zulassen, dass der Wahlkampf der Parteien den Charakter eines "Straßen-Krieges" annehme. "Es geht um mehr, als man sich in diesem Moment klar werden kann. Es geht um die Demokratie", betonte Klaus.

"Hunderte Eier"

Der Staatschef reagierte auf das letzte Wahlkampf-Meeting der CSSD, das am Mittwochnachmittag im Prager Stadtviertel Smichov in Anwesenheit der CSSD-Parteiführung mit Paroubek an der Spitze stattgefunden hat. Im Unterschied zu den bisherigen Zwischenfällen, wo vereinzelt Eier gegen Paroubek geworfen wurden, flogen diesmal - wie tschechische TV-Kanäle informierten - "nicht Dutzende sondern Hunderte Eier" auf die Bühne, auf der die CSSD-Politiker standen. Paroubek und seine Kollegen wurden von den Eiern so verschmutzt, dass sie sich nach der Veranstaltung komplett umziehen mussten.

Alles begann Mitte Mai im mittelböhmischen Kolin östlich von Prag, wo Paroubek von einer Gruppe von jungen Leuten mit Eiern und Tomaten beworfen wurde, wobei eines der Eier beim Aufprall auf seinem Sakko zerbrach. Sie konnten "nicht ertragen", wie der CSSD-Chef die Zuschauer "belogen" habe. Paroubek sei ein "böser Mensch", argumentierte einer der Eierwerfer, Lukas Botka.

Ein anderer Zwischenfall folgte einige Tage später im südböhmischen Pisek, wo jemand provokativ eine ganze Packung Eier auf den Rand der Bühne legte. Als Paroubek dies bemerkte, verlor er die Nerven und stieß die Eier mit dem Fuß so weg, dass sie die Kleidung einiger Zuschauer verunreinigten. Seitdem geht die Serie praktisch jeden Tag weiter und die Helfer müssen Paroubek bei seinen Auftritten mit Regenschirmen schützen. Der CSSD-Chef reagiert mittlerweile schon ruhiger auf die Attacken. "Du Armer, du kannst mich nicht einmal treffen", sagte er via Mikrofon zu einem der Eierwerfer.

Aktion auf Facebook gestartet

"Ei für Paroubek in jeder Stadt" heißt die Parole der Aktion, die im auf Facebook gestartet wurde. Mehr als 40.000 Kritiker von Paroubek schlossen sich dem an. Und auf der Internet-Seite www.paroubek.eu werben die Kritiker des CSSD-Chefs für Eier-Attacken auch um den Preis, dass sie den Tätern die Refundierung der von der Polizei verhängten Geldbußen versprechen.

Nachdem ein Ei auch auf die Tafel der Prager CSSD-Zentrale verschmutzt hatte, ersuchte die CSSD die Regierung um polizeilichen Schutz für ihre Wahlkampf-Meetings. Das Innenministerium lehnte dies jedoch ab, und Paroubek muss sich nur auf die Kräfte seiner Helfer und der gemieteten Personenschützer verlassen.

Der Hauptrivale der CSSD - die konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) des ehemaligen Premiers Mirek Topolanek - lehnte jegliche Verantwortung für die Eier-Attacken ab. Im Gegenteil, sie forderte die Kritiker des CSSD-Chefs auf, mit den Eier-Attacken aufzuhören. Die ODS befürchtet, dass die CSSD selbst eine Provokation inszenieren könnte, bei der falsche Wahlkampf-Helfer der ODS weitere Angriffe gegen Paroubek organisieren.

Außerdem befürchtet die ODS eine kontraproduktive Wirkung der Eier-Attacken. "Machen Sie, bitte, aus Paroubek kein Opfer", appellierte der erste Vizechef der ODS, David Vodrazka, an die Öffentlichkeit. Eine Blitzumfrage zeige, dass fast drei Viertel der Tschechen ein derartiges Verhalten verurteilen. (APA)