Wien - Das Vorhaben schien plausibel, der Businessplan vielversprechend: Anlässlich des Mozartjahres 2006 wurde das vormalige Figarohaus in der Domgasse 5 - die einzige erhaltene Wohnung des Komponisten in Wien - zum Mozarthaus ausgebaut. Es präsentiert seither auf vier Ebenen Leben und Werk des Komponisten. Doch die Gedenkstätte wurde keine Attraktion: Die Besucherzahlen sind weit geringer als prognostiziert, die Ausgaben weit höher. Dies stellte das Kontrollamt in einem Bericht fest, der dem Standard vorliegt.

Die Mozarthaus Vienna Errichtungs- und Betriebs GmbH ist in Besitz der Wien Holding. Den Umbau unterstützten das Kulturamt (mit einer Million Euro), der Bund (600.000 Euro) und Sponsoren. Zudem wurden 1,72 Millionen von der EU zuerkannt. Der Europäische Rechnungshof stellte aber "Zuordnungsmängel" fest, worauf die Stadt Wien das Projekt aus dem Förderungsprogramm zurückzog. Die bereits erhaltenen Mittel mussten refundiert werden.

Die Folge war, dass die GmbH in größere Probleme schlitterte. Die Wien Holding verzichtete bereits auf ein gewährtes Darlehen (1,9 Millionen Euro) und genehmigte ein weiteres (sechs Millionen).

Hinzu kommt, dass nicht einmal die Zahlen des Worst-Case-Szenarios erreicht wurden oder werden. Dieses sah einen Anstieg der Besucher bis zum Jahr 2009 auf 215.000 vor. Nach dem erfolgreichen Start 2006 mit 203.098 Besuchern halbierte sich die Zahl beinahe: 2007 wurden 109.958 Personen, 2008 deren 108.826 gezählt. Zum Vergleich: Das Best-Case-Szenario rechnete bis zum Jahr 2009 sogar mit 390.000 Besuchern!

Aufgrund der geringen Besucherzahlen ließ sich auch das Museumscafé nicht wirtschaftlich führen. Die Einnahmen für die GmbH aus der Verpachtung sowie der Vermietung des Veranstaltungssaales waren weit geringer, als im Businessplan vorgesehen.

Der Verlust des Jahres 2007 beruhte, so das Kontrollamt, darauf, dass "ein Rückgang bei den wichtigsten Ertragskategorien eintrat (Umsatzerträge: -0,42 Millionen, Sponsoringbeträge: -1,23 Millionen Euro), während der Personalaufwand (+0,10 Millionen Euro) und der Zinsenaufwand (+0,16 Millionen) anstiegen." Durch "Umschuldungsmaßnahmen" konnte die zuvor "beeinträchtigte" Liquidität bereits verbessert werden.

Die Wien Holding meint in einer Stellungnahme: "Zwar waren die ursprünglichen Businesspläne zu optimistisch, doch das Haus hat eine solide stabile Grundauslastung mit zahlenden Besuchern, sodass sich ein Eigendeckungsgrad von 58 Prozent ergibt." Das Mozarthaus werde ab 2009 "lediglich mit einer Subvention von 400.000 Euro pro Jahr auskommen". Vorgesehen war eigentlich keine Subvention. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2009)