Wien - Es sei, sagt Nicolaus Cortolezis, eine Frage von 1000 Euro pro Monat: Dann wären auch die Betreuungseinrichtungen der Wiener elternverwalteten Kindergruppen, deren Obmann Cortolezis ist, für praktisch alle Eltern kostenfrei.

Seiner Rechnung liegt eine Umstellung im komplizierten Kindergarten-Förderungswesen zugrunde. Mit der Einführung des Wien-weiten Gratiskindergartens ab Herbst - für die städtischen Einrichtungen ist dieser bereits beschlossen, bei den privaten wird noch verhandelt - wird auch das Fördersystem umgestellt, nämlich von der Gruppen- zur Subjektförderung. Sprich: Statt Geld pro Gruppe gibt es nun Geld pro Kind, plus einer monatlichen "Verwaltungspauschale" . Für große Träger sind das 1500 Euro, für kleine 500 Euro - und eben dieser Unterschied bereitet Cortolezis Kopfzerbrechen: "Die großen Träger können die Synergieeffekte nutzen, während bei uns schon jetzt fast alles ehrenamtlich funktioniert - und auch wir Kleinen tragen wesentlich zur Versorgungssicherheit bei."

Mit dem zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) habe es bereits mehrere Gespräche gegeben. Am 4. Juni tagt der Stadtsenat, bis dorthin sollten die Vereinbarungen mit den Privaten unter Dach und Fach sein; ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss wird Ende Juni erwartet. Cortolezis gibt die Hoffnung nicht auf, betont er im Standard-Gespräch: "Uns wurde Verhandlungsbereitschaft signalisiert, aber es gibt noch keine Lösung. Wir brauchen eine Art Grundsicherung für kleine Kindergartenbetreiber, vor allem, um die Qualität zu garantieren." Und den Preis - denn derzeit können die Privaten den Eltern keine Auskunft darüber geben, ob sie im Herbst weiter zahlen müssen.

"Elitär ist uninteressant"

Derzeit kostet ein Ganztagsplatz in einer Einrichtung der Kindergruppe im Durchschnitt 310 Euro pro Monat. Für einkommensschwache Eltern reduziert sich der Betrag durch Förderungen auf etwa 90 Euro. Nach der Umstellung soll es aber keine Subventionen mehr geben, wodurch laut Cortolezis für einige Familien sogar Verteuerungen ins Haus stehen könnten. "Dabei wollen wir die soziale Durchmischung, die wir derzeit haben, unbedingt beibehalten. Wenn die Plätze teurer werden, wird es elitär - und das ist uninteressant." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2009)