Vor rund 1,8 Millionen Jahren entdeckt der "Homo erectus" das Feuer und findet heraus, wie super es ist, in regelmäßigen Intervallen mit einem Stöckchen auf einen hohlen Baumstamm zu schlagen. Oder war das doch der "Australopethicus anamensis" vor läppischen vier Millionen Jahren? Von dieser kleinen Unschärfe abgesehen: wer weiß schon, wie lange wer wie viel Zeit darauf verwendete, sich nebst täglichem Brot(?)erwerb auch noch um den Groove zu kümmern? Dazu gehört schon, naja, ein Wohlstandsgefälle. Von da an ging alles sehr schnell: Einmal nagelt man den Falschen ans Kreuz, schon schreibt Johann Sebastian Bach sein "Sehet ihn aus Lieb und Huld Holz zum Kreuze selber tragen". Neben Holz lockt die Tonsetzer der Herkunftsort desselben: Der Wald, vor allem dem deutschen Gemüth (schlags nach bei Canetti) immer schon ein Anliegen, mehr noch, ein Hort der Besinnung, der Stärkung und der Genesung auch. Von der Wolfsschlucht in Carl Maria von Webers „Freischütz" bis zu Richard Strauss' „Wald seligkeit" reichen die Huldigungen der Komponisten an das hölzerne Refugium. "Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier (in Baden bei Wien) nicht. Ist es doch, als ob jeder Baum spräche: heilig, heilig - Im Walde entzücken. Süße Stille des Waldes!", schreibt Ludwig van Beethoven drei Jahre vor seiner totalen Ertaubung. Sonderbarer - weise herrscht im Beatles-Song „Norwegian Wood" Holznot: "Sie bat mich zu bleiben und mich irgendwo hinzusetzen, ich sah mich um und bemerkte, dass nirgendwo ein Sessel zu sehen war." Andere suchen den Holzweg ganz bewusst, „Knock on Wood" heißt ein Album der Schweizer Industrial- Rockband "Young Gods" deshalb, weil sie auf Schwermetall verzichtet und ihre Songs akustisch darbietet. Electro-Afficionados wie Scan X und andere Technoprojekte betonen mit Titeln wie "Wood" oder "Nature" die Gegensätze zwischen virtuellem und natürlichem Raum. Die Sehnsucht nach dem Waldesrausch bleibt auch ihren Fans, weshalb viele Festivals in der "freien" Natur stattfinden.

Auch Südländer schätzen die Präsenz des Waldes. Im Vorwort zu Claudio Monteverdis Sammlung "selva morale e spirituale" von 1641 schreibt der Komponist sein "moralischer und geistlicher Wald" biete vielen Geschöpfen Platz. Ja, der Wald liebt die Musik: Sind es nicht die Gesänge der Vögel des Waldes (Antonio Vivaldi), die sich vortrefflich für Programmmusik eignen? Doch nichts hat Bestand, selbst die Sprache der Vögel hat sich im Laufe der Zeit verändert. Vivaldis "Di daue rar languir costante" (ideal für Blockflötenfanatiker), beschwert sich über den grausamen Amor, der uns nicht in Frieden lässt und im Hintergrund wird um die Wette -äh- gezwitschert. Aber wie andersklingen die Vögel nur zwei Jahrhunderte später bei Olivier Messiaen! Glaubt man ihm, so ist auch bei den Vögeln die Anzahl der HochschulabsolventInnen rapide gestiegen, so zwölftönig schallt's uns da entgegen. Ich für meinen Teil klopfe lieber aufs Holz - Rhythmus kann es nicht genug geben.